Vortrag „Die Pfarrkirche St. Stephanus in Sistig“

Datum/Zeit
Date(s) - 13/10/2020
19:00-20:30


Der Sistiger Ortsvorstehen Karl Vermöhlen referiert, untermalt mit eindrucksvollen Bildern, über die Geschichte und die nicht alltägliche künstlerische Ausgestaltung der Sistiger Kirche.

Die Pfarrkirche St. Stephanus wurde am 12. Juli 1904 durch den Kölner Weihbischof Josephus Müller geweiht. Der Vorgangerbau war wohl um 1500 errichtet worden. In einer Steinfelder Urkunde aus dem Jahr 1310 ist eine Einigung zwischen dem Steinfelder Abt und dem Schleidener Grafen beurkundet, dass von Allerheiligen bis zu Beginn der Fastenzeit in Sistig nur sonntags eine Messe gelesen werden müssen.
Berühmt ist die Sistiger Kirche durch die künstlerische Ausgestaltung der Kirche durch Ernst (Johann) Jansen Winkeln. Außer den bekannten Wand- und Deckenmalereien hat Jansen Winkeln auch die  drei hohen Glasfenster entwarf Jansen-Winkeln 1945; 1948 wurden sie  von der Fa Oidtmann in Linnich gefertigt (und in 2019 von der gleichen Firma renoviert). Auch die Holzschnittdrucke des Kreuzwegs und die beiden Holztabernakel an den Seitenaltären wurden von dem Künstler geschaffen, sodass Sistig das weite Spektrum seines Schaffens abbildet.
Ernst Jansen-Winkeln begann die Ausmalung im März 1941. Durch seine Einberufung zur Wehrmacht im Oktober 1941 wurde sie unterbrochen.
Die erste Periode der Ausmalung umfasst den Chorraum und die beiden ersten Joche des Mittelschiffs. Da die übrigen Joche und die Seitenschiffe erst danach ausgemalt werden konnten (von Oktober 1945 bis Januar 1948) finden wir hier einen bemerkenswerten stilistischen Wandel.
Deshalb ist es besonders interessant, diesen stilistischen Wandel auch in einen geschichtlich-politischen Kontext zu stellen. Im ersten Joch verteidigt ein Soldat mit Stahlhelm und aufgepflanzten Bajonett die „Heimat“ (obwohl die Wehrmacht einen rücksichtslosen Angriffskrieg führte!), der Stil der Malerei erinnert an den typischen NS-Stil.
Im Verlauf der Mittelschiffmalerei finden sich zunehmend eher expressionistisch anmutende Stilelemente, was dann in den Seitenschiffen ganz deutlich wird. Dort finden sich auch die bekannten Bezüge zu der damals erst gerade erste weniger als 40 Monate zurück liegenden NS-Diktatur mit Menschen hinter Stacheldraht im KZ. Mit den kapitalismuskritischen Darstellungen des Habgierigen, für den nur das Geld zählt. Die Philosophen und Staatsmänner, die den christlichen Glauben kritisch sahen (Lenin, Marx, Nietzsche). Das Verschwinden des Gekreuzigten in der industrialisierten Welt; hinter Fördertürmen und Lokomotiven – damals Synonym für das sich langsam erholende Deutschland – kann man ihn kaum erkennen.
Und natürlich den „Sistiger Hitler“: Dargestellt als Biedermann im Gehrock (wie Anfangs auch 1933), der Kreuz und Bibel verbrennt. Angefeuert von Satan, der ihm auf der Schulter sitzt. Die Kirche explodiert …
Neugierig geworden? Dann kommen Sie zu dem gut einstündigen Vortrag mit einer Präsentation der eindrucksvollsten Bilder.

Veranstaltungsort
Ev. Gemeindezentrum in Gemünd

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