{"id":1347,"date":"2013-07-17T21:59:55","date_gmt":"2013-07-17T19:59:55","guid":{"rendered":"http:\/\/geschichtsforumschleiden.de\/?p=1347"},"modified":"2023-04-17T09:57:23","modified_gmt":"2023-04-17T09:57:23","slug":"gemunder-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gf-sle.de\/?p=1347","title":{"rendered":"Gem\u00fcnder Geschichte"},"content":{"rendered":"<p>&#8230; ein Beitrag von Alfred Wolter zum 800. Geburtstag der Stadt Anno Domini 2013.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<h2>Gem\u00fcnd, die kleine mit Charme<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im M\u00fcndungsbereich von Olef und Urft haben R\u00f6mer und fr\u00e4nkische St\u00e4mme Spuren hinterlassen. Doch erst im Jahre 1213 wird der Br\u00fcckenort \u201eGemunde\u201c, in dem die R\u00f6merstra\u00dfe K\u00f6ln-Reims in 325 m \u00fc. NN zwischen dem \u201eHohen Schirm\u201c und der \u201eDreiborner H\u00f6he\u201c den Bach und das Tal \u00fcberwindet, schriftlich erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">1334 wird von einem Zollturm an der Br\u00fccke berichtet.<br \/>\n1425 wird ein Bildstock des heiligen Nikolaus genannt.<br \/>\n1459 bauten die Gem\u00fcnder ihre erste Kapelle.<br \/>\n1490 werden dort 15 Hofst\u00e4tten und in Malsbenden 4 Hofst\u00e4tten gez\u00e4hlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gem\u00e4\u00df ihren Abgaben waren sie gut gestellt. Die Herren von Mauel waren schon recht wohlhabend, ihre G\u00fcter reichten bis in das Eifelvorland.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1657 wird die Kapelle in Gem\u00fcnd zur Filialgemeinde der Pfarre Olef erhoben. Seit 1803 besteht dort die Pfarre zum heiligen Nikolaus. Die heutige Kirche wurde 1866 geweiht. Der Ort war bis zum Jahre 1798 teils der Herrschaft Dreiborn und teils dem Herzogtum J\u00fclich abgabepflichtig und hatte dadurch bedingt zwei B\u00fcrgermeister.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gem\u00fcnder B\u00fcrgersch\u00fctzen stehen in der Tradition der 1699 in der Herrschaft Dreiborn gegr\u00fcndeten St. Georg Sch\u00fctzenbruderschaft. Das Sch\u00fctzenbuch ist die \u00e4lteste Auflistung von Personen in der heutigen Stadt Schleiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegen Ende des 16. Jahrhunderts war Gem\u00fcnd Zufluchtsort f\u00fcr die Lutheraner des Schleidener Tales. Zu diesen Protestanten geh\u00f6rten viele H\u00fcttenmeister der damals florierenden Eisenindustrie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dem alten evangelischen Friedhof findet man noch ihre Grabsteine, darunter den Grabstein von Bungard Matte, gestorben im Jahre 1694. 1665 schenkte er als Sch\u00f6ffe der Herrlichkeit Dreiborn der lutherischen Gemeinde das Grundst\u00fcck, auf dem im gleichen Jahre mit dem Bau der evangelisch lutherischen Kirche begonnen wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In und um Gem\u00fcnd befinden sich um 1750 Lohm\u00fchlen, Schneidm\u00fchlen, \u00d6lm\u00fchlen, Mehlm\u00fchlen und 5 Eisenerzgruben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der franz\u00f6sischen Zeit der Rheinlande bestand seit 1798 die franz\u00f6sische Verwaltung. Gem\u00fcnd war Hauptort eines Kantons. Kantonkommissar war Reichsritter Baron Clemens Wenzelaus von Harff auf Burg Dreiborn. Durch das am 21. April 1810 erlassene Berggesetz gelangte Gem\u00fcnd zu Wohlstand. Schmelz\u00f6fen und Eisenh\u00e4mmer wurden errichtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach den Franzosen kamen 1815 die Preu\u00dfen. Der Kreis Gem\u00fcnd entstand. Der Kreis hatte 16.197 Einwohner. Gem\u00fcnd hatte 1.079 Einwohner und war der volkreichste Ort des Kreises, mit drei Kirchen (katholisch, lutherisch, reformiert). Es waren ein Arresthaus und eine Gendarmeriekaserne vorhanden. Von den 230 H\u00e4usern der Stadt waren nur 16 massiv gebaut. 41 H\u00e4user waren mit Schiefer gedeckt, bei den anderen handelte es sich um mit Stroh gedeckte Fachwerkh\u00e4user. Im Ort waren 148 kleine landwirtschaftliche Betriebe. An Vieh z\u00e4hlte man 35 Pferde, 284 St\u00fcck Rindvieh, 392 Schafe, 7 Ziegen und 55 Schweine.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war damals \u00fcberall \u00fcblich, dass sich der Misthaufen vor der Haust\u00fcr befand. In den engen Nebenstra\u00dfen waren die Mistpl\u00e4tze teils auf der Stra\u00dfe, so dass nur ein schmaler Durchgang f\u00fcr Passanten blieb. Laternen und \u00f6ffentliche Brunnen waren unbekannt. Die meisten Einwohner sch\u00f6pften ihr Trinkwasser aus dem Bach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4 Gerbereien, 2 Eisenh\u00fctten, 4 Brauereien, 10 B\u00e4cker, 19 Fuhrleute mit 23 Pferden, 6 Schneider, 6 Schuhmacher, 2 Stellmacher 19 Handelsh\u00e4user, 3 Schmiede, 7 Schreiner und noch andere Berufe wurden damals aufgelistet. Eine Apotheke, ein Arzt und ein Wundarzt waren im Ort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 20.1.1826 bekam Gem\u00fcnd das Recht, f\u00fcr den Landtag im Stand der St\u00e4dte zu w\u00e4hlen. 1828 wurde der Kreis Gem\u00fcnd in Kreis Schleiden umbenannt. Die Stadtrechte wurden Gem\u00fcnd am 4.9.1856 verliehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Gem\u00fcnd und Malsbenden wohnten 61 Juden, 1873 bauten sie eine Synagoge. 1933 lebten nach meinem heutigen Wissen in Gem\u00fcnd nur noch 34 Juden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der j\u00fcdische Friedhof, der zweitgr\u00f6\u00dfte im Kreis Schleiden, erinnert an eine Zeit, als nachweislich Menschen aller Konfessionen in Gem\u00fcnd in gutnachbarlichen Verh\u00e4ltnissen lebten. Die Verbrechen an den Juden in der Nazizeit machten das Zusammenleben unm\u00f6glich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die franz\u00f6sische Revolution von 1848 ging auch an Gem\u00fcnd nicht spurlos vor\u00fcber: Es kam zu P\u00f6beleien. Jungendliche drangen in die H\u00e4user unbeliebter B\u00fcrger ein. Man forderte die Abdankung des B\u00fcrgermeisters und schrie: \u201eFreiheit, Gleichheit, Republik! W\u00e4ren wir doch die Preu\u00dfen quitt!\u201c Zum Schutze des Eigentums wurde eine B\u00fcrgergarde gegr\u00fcndet. Unter ihrem Kommandanten Forstmeister Kauhlen bewaffneten sich 158 B\u00fcrger mit Gewehren, diese wurden aus dem K\u00f6niglichen Artillerie-Depot in K\u00f6ln entliehen. Mit dem Abklingen der revolution\u00e4ren Stimmung schlief die B\u00fcrgergarde ein. Allerdings hatten mit der \u201ePressefreiheit\u201c, die Gem\u00fcnder eine eigene Zeitung bekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 25.8.1851 Gro\u00dfbrand in Gem\u00fcnd: 42 Wohnh\u00e4user und 62 St\u00e4lle und Scheunen, haupts\u00e4chlich in der Dreibornerstra\u00dfe, wurden v\u00f6llig zerst\u00f6rt. Im Jahre 1854 war die Stra\u00dfe wieder aufgebaut und die neue Schule wurde dort eingeweiht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit dem Jahre 1884 hat Gem\u00fcnd einen Bahnanschluss, dieser kam f\u00fcr die dort gut gehende Eisenindustrie zu sp\u00e4t, \u00fcber 500 Menschen verloren ihren Arbeitspl\u00e4tze, als die R\u00f6hrenwerke in Mauel 1860 nach D\u00fcsseldorf verlegt wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von 1867\u20131893 war an der Urft 4 km westlich der Ortsmitte eine Pulverm\u00fchle. Das Pulver wurde haupts\u00e4chlich nach L\u00fcttich geliefert. Das war auf den holperigen Wegen gef\u00e4hrlich. Ein Polizist ging 10 Meter vor dem von drei Ochsen gezogenen Pulverwagen und machte entgegenkommende Fuhrleute darauf aufmerksam, stehen zu bleiben und die Tabakpfeife auszumachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1892 brannten in Malsbenden 34 H\u00e4user bis auf die Grundmauern ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach 1905 entwickelte sich Gem\u00fcnd zur Perle an der gr\u00f6\u00dften Talsperre Europas. Der Fremdenverkehr boomte (<a href=\"https:\/\/gf-sle.de\/?p=963\">vgl. F.A. Heinen, Uftseetourismus fr\u00fcher<\/a>). Man hatte einen Versch\u00f6nerungsverein gegr\u00fcndet, welcher 1888 im Eifelverein aufging.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1914\u20131918 machte der erste Weltkrieg viele Hoffnungen zunichte. Nach dem Krieg wurde Gem\u00fcnd zu einem bekannten Luftkurort. Kurhaus und Kurpark waren vorhanden. Bald aber machten die Nazis in Gem\u00fcnd ihren verbrecherischen Einfluss geltend, welches viele zu sp\u00e4t erkannten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der zweite Weltkrieg brachte Zerst\u00f6rung, Not und Tod! Als der Spuk vorbei war, bauten die Gem\u00fcnder ihre Stadt wieder auf. Der Ort konnte sich wieder gut sehen lassen. Als Logo warb bald die \u201eKleine mit Charme\u201c f\u00fcr den Kneippkurort Gem\u00fcnd. Doch so sch\u00f6n wie heute, an ihrem 800. Geburtstag, war \u201edie Kleine mit Charme\u201c noch nie.<\/p>\n<address>Quellen:<br \/>\nArchiv Harff, Kirchenarchiv Dreiborn, Rheinischer St\u00e4dteatlas Gem\u00fcnd, Aufzeichnungen von Studienrat G\u00fcnter und Tillmann M\u00fcller<\/address>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; ein Beitrag von Alfred Wolter zum 800. 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