{"id":1352,"date":"2013-07-17T22:37:33","date_gmt":"2013-07-17T20:37:33","guid":{"rendered":"http:\/\/geschichtsforumschleiden.de\/?p=1352"},"modified":"2023-03-12T13:26:35","modified_gmt":"2023-03-12T13:26:35","slug":"hurra-patriotismus-und-kanonenfutter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gf-sle.de\/?p=1352","title":{"rendered":"Hurra, Patriotismus und Kanonenfutter"},"content":{"rendered":"<p>Geschichtliche Stimmungsbilder aus vier Kriegen innerhalb von achtzig Jahren.<\/p>\n<h2>Patriotismus 1866, 1870-71, 1914-18 und 1939-45<!--more--><\/h2>\n<p style=\"text-align: center;\">von Alfred Wolter<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Ich bin ein Preu\u00dfe! &#8211; Hurra Viktoria!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Sang man einst auch in den Schulen der heutigen Stadt Schleiden.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Man war: Patriot! Soldat! Oder ein Schei\u00dfkerl.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gemeinde Dreiborn ist nach dem allerh\u00f6chsten Patente im Jahre 1815 der Krone Preu\u00dfens zugefallen, hei\u00dft es in der Ortschronik. Kaiserman\u00f6ver und sp\u00e4ter der Kanonendonner des Truppen\u00fcbungsplatz Elsenborn, erinnerten, beg\u00fcnstigt durch steten Westwind, die Bewohner auf der Dreiborner H\u00f6he daran, dass sie endlich ein Vaterland hatten. Sie gew\u00f6hnten sich gem\u00e4\u00df den Eintragungen des Chronisten mit der Zeit an die preu\u00dfische Ordnung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Mai 1866 begann der Krieg Preu\u00dfen gegen \u00d6sterreich. 96 M\u00e4nner aus der Gemeinde wurden zu den Waffen gerufen. Die siegreichen Soldaten waren am 1. Oktober wieder alle zu Hause. Verluste waren nicht zu beklagen. Am 26. Oktober fand in Dreiborn eine Siegesfeier statt. Die Krieger wurden festlich bewirtet. An dem anschlie\u00dfenden Tanzvergn\u00fcgen beteiligte sich Jung und Alt. Die Festreden von Dechant Anton Bogen und B\u00fcrgermeister Hubert Hilgers endeten \u201emit einem Hoch auf seine Majest\u00e4t, unseren erhabenen K\u00f6nig\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber den Krieg 1870-71 ist in der Chronik zu lesen: Das Jahr 1870 war das glorreichste f\u00fcr unser teures Vaterland. Bei allen deutschen St\u00e4mmen und V\u00f6lkern war die Begeisterung gro\u00df. Der Kampfgeist unserer braven Soldaten sollte bald befriedigt werden. Am 1.M\u00e4rz 1871 wurde Paris eingenommen. Auf Wunsch der deutschen F\u00fcrsten und V\u00f6lker nahm unser Heldenk\u00f6nig Wilhelm am 18. Januar 1871 den Titel eines deutschen Kaisers an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus den D\u00f6rfern der Gemeinde waren au\u00dfer den im aktiven Dienst stehenden Soldaten 80 Reservisten und Landwehrm\u00e4nner einberufen worden. Ein Krieger kehrte nicht zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In allen Orten der Gemeinde wurden im Monat Juli 1871 die durchmarschierenden siegreich heimkehrenden Soldaten auf das freundlichste aufgenommen und verpflegt. Nach zwei siegreichen Kriegen konnte der \u201eHurra-Patriotismus!\u201c nicht gr\u00f6\u00dfer sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele Bauerns\u00f6hne hatten, wie es damals hie\u00df, bei den Preu\u00dfen gedient. Sie waren Soldat gewesen! Nicht selten sprachen sie, wenn sie auch ein wenig bel\u00e4chelt wurden, zu Hause Hochdeutsch und lie\u00dfen sich den Bart nach \u201eKaiserart\u201c wachsen.<\/p>\n<div id=\"attachment_1354\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Hurra-Postkarte2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1354\" class=\" wp-image-1354 \" src=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Hurra-Postkarte2-300x197.jpg\" alt=\"\u2026 es ist so sch\u00f6n Soldat zu sein.\" width=\"270\" height=\"177\" srcset=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Hurra-Postkarte2-300x197.jpg 300w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Hurra-Postkarte2-1024x673.jpg 1024w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Hurra-Postkarte2.jpg 1594w\" sizes=\"auto, (max-width: 270px) 100vw, 270px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1354\" class=\"wp-caption-text\">\u2026 es ist so sch\u00f6n Soldat zu sein.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">An den Stammtischen wurden angebliche Heldentaten erz\u00e4hlt. Eine blieb in Dreiborn bis heute ein gefl\u00fcgeltes Wort: Ein starker Bauernsohn aus dem Ort, der bei der schweren Reiterei diente, hatte mit der Lanze die feindlichen Fu\u00dfsoldaten paarweise aufgespie\u00dft und \u00fcber seine Schulter geworfen. Pl\u00f6tzlich sprengte Bismarck mit seinem Streitross neben ihn und br\u00fcllte im Kampfget\u00fcmmel: \u201enicht so h\u00fc\u00fch Herr Dartenne!\u201c (nicht so hastig Herr Dartenne, einer nach dem anderen!).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An den Theken gr\u00f6lte man \u201esiegreich wollen wir Frankreich schlagen, sterben als ein tapferer Held!\u201c Schon in den Schulen wurden die Knaben auf das Soldatenleben vorbereitet. Man\u00f6ver\u00e4hnliche Spiele und \u00dcbungen fanden statt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kein Wunder, dass das Soldatspielen zu ihrem gr\u00f6\u00dften Vergn\u00fcgen z\u00e4hlte und dass es ihnen zu lange dauerte, um dabei zu sein. Im Bescheid zur Musterung stand dann der erste Befehl: \u201eSie haben k\u00f6rperlich rein in Schleiden zu erscheinen.\u201c Dort wurde \u00fcber tauglich oder untauglich zum Wehrdienst entschieden, was nachher stets mit einem Trinkgelage verbunden war. Es wird erz\u00e4hlt, dass sich einige Dreiborner auf dem Weg zur Musterung unterwegs hinhocken mussten. Tempotaschent\u00fccher waren noch unbekannt, mit Gras wurde abgeputzt. Als sie sich beim Arzt der Reihe nach zwecks Untersuchung nackt b\u00fccken mussten, soll der gebr\u00fcllt haben \u201eab zur Artillerie! Euch Bauernburschen w\u00e4chst ja das Pferdefutter am Arsch raus!\u201c Oft genug mussten die Ausgemusterten, den Tr\u00e4nen nahe, getr\u00f6stet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Kaiser sagte: \u201eIch f\u00fchre euch gl\u00fccklichen Zeiten entgegen!\u201c. Dabei rasselte er t\u00fcchtig mit dem S\u00e4bel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 31. Juli 1914 begann der Erste Weltkrieg. Mit der Orts-Schelle wurde am 1. August die Mobilmachung in den D\u00f6rfern bekannt gegeben. Viele waren begeistert und wurden, wenn man der \u00dcberlieferung trauen kann, von einem patriotischen Hochgef\u00fchl ergriffen.<\/p>\n<div id=\"attachment_1353\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Hurra-Postkarte1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1353\" class=\"size-medium wp-image-1353\" src=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Hurra-Postkarte1-300x195.jpg\" alt=\"\u2026 morgen marschieren wir!\" width=\"300\" height=\"195\" srcset=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Hurra-Postkarte1-300x195.jpg 300w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Hurra-Postkarte1-1024x666.jpg 1024w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Hurra-Postkarte1.jpg 1594w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1353\" class=\"wp-caption-text\">\u2026 morgen marschieren wir!<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf den gegen Westen f\u00fchrenden Stra\u00dfen im Schleidener Tal und auf der H\u00f6he zogen pausenlos Infanterie-Kolonnen \u00fcber Belgien nach Frankreich hinein, Kavallerie-Regimenter noch mit Lanzen bewaffnet, Artillerie mit von sechs Pferden bespannten Kanonen. Die Soldaten wollten wie man damals sagte, einen kleinen Spaziergang \u00fcber die Maas machen. Den Bahnhof Kall passierte alle 10 Minuten ein Milit\u00e4rtransport. Es wurden Bottiche mit Wasser f\u00fcr die Soldaten und ihre Pferde in den Stra\u00dfend\u00f6rfern aufgestellt. Die Schulen wurden bis zum 1. September geschlossen. Aus Richtung Belgien h\u00f6rte man sich immer weiter entfernenden Kanonendonner. Bei der Belagerung Antwerpens vom 20. August bis zum 10. Oktober glaubte man die Absch\u00fcsse der \u201eDicken Berta\u201c, dem gr\u00f6\u00dften deutschen Gesch\u00fctz an der Westfront, welches damals als \u201eWunderwaffe\u201c propagiert wurde, zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Zeiten in denen Soldaten in den sch\u00f6nen Uniformen der Ulanen, Husaren und die blauen Dragoner mit ihren F\u00e4hnlein an den Lanzen durch die Man\u00f6ver etwas Abwechselung in das Einerlei des Alttags brachten, waren vorbei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war Krieg! Bald wurde zu Kleiderspenden f\u00fcr die im ersten Kriegswinter frierenden Soldaten aufgerufen. Wer als Patriot gelten wollte, zeichnete Kriegsanleihen. Mit den Aufrufen \u201eGold gab ich f\u00fcr Eisen\u201c wurde daf\u00fcr in allen Zeitungen geworben. Viele kleine Sparer haben gem\u00e4\u00df den Unterlagen der Sparkassen diesen Aufrufen Folge geleistet. Ob aus purem Patriotismus oder auf die versprochene hohe Rendite nach einem gewonnenen Kriege hoffend, ist nicht mehr zu ermitteln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als dann die ersten gefallenen Helden zu beklagen waren, wurden diese auf den Totenzetteln und im Wochenblatt des Kreises Schleiden verherrlicht. Auf Bildern nahm ein Engel mit m\u00e4dchenhaften Gesichtsz\u00fcgen, den Gefallenen bei der Hand und nahm ihn auf direktem Wege mit in die ewige Gl\u00fcckseligkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht tr\u00f6steten diese Bilder damals die trauernden Angeh\u00f6rigen? Immer mehr Soldaten starben den Heldentod. Um die Bev\u00f6lkerung nicht zu beunruhigen, stellte man Benachrichtigungen im Wochenblatt ein. Selbst Patrioten waren bald nicht mehr vom Kriegsgeschehen begeistert. So hatte man sich die K\u00e4mpfe nicht vorgestellt. Es sollte wie in den vorherigen Kriegen ein kurzer siegreicher Waffengang werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 3. April 1915 wurde das Brot rationiert. F\u00fcr Familien, die nicht Selbstversorger waren, gab es Nahrungsmittel auf Lebensmittelb\u00fccher. Das f\u00fchrte zum Schwarzhandel. Die Bauern mussten von jeder Kuh im Stall w\u00f6chentlich ein Pfund Butter liefern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es wurden in jedem Ort Kontrollen von sp\u00f6ttisch genannten \u201eOgderp\u00fc\u00fcser\u201c (Eutersch\u00e4tzer) durchgef\u00fchrt. Der Gendarm passte auf, dass nicht schwarzgeschlachtet wurde. Der Landrat in Schleiden beklagte, dass in vielen Orten die Zugtiere fehlten. Die H\u00e4lfte des Pferdebestandes wurde f\u00fcr das Milit\u00e4r requiriert. Ochsen und Fahrk\u00fche mussten angelernt werden. Auf den H\u00f6hend\u00f6rfern wurden die \u00e4lteren Schulkinder vorzeitig aus der Schule entlassen, um bei der Feldarbeit helfen zu k\u00f6nnen. Frauen und M\u00e4dchen trugen die Hauptlast in den Betrieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ab 1916 wurden die Soldaten mit Stahlhelmen ausger\u00fcstet. Es gab nun 70% weniger Tote durch Kopfverletzungen. In der Gemeinde Dreiborn musste \u00d6dland gerodet werden, damit mehr Getreide und Kartoffeln angebaut werden konnten. Durchhalte Parolen, Drohungen und Bittgesuche wechselten sich ab. Der Kaiser und die Regierung wurden hinter vorgehaltener Hand immer mehr kritisiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Soldaten an den weit entfernten Fronten waren aber \u00fcber jede Kritik erhaben. 1917 wurden immer mehr Kirchenglocken eingeschmolzen, um Kupfer zu gewinnen. Die Aufnahme von unterern\u00e4hrten Stadtkindern wurde auf den Predigtst\u00fchlen den Bauern dringend empfohlen. Alle sehnten das Ende des Krieges herbei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In grenznahen Orten war man besorgt, weil aus milit\u00e4rischen Gr\u00fcnden Wegemarkierungen entfernt wurden. Alles was verwertbar war musste gesammelt werden. Das Futter f\u00fcr Milit\u00e4rpferde war so knapp, dass die Schuljugend zum Laubsammeln aufgerufen wurde. In der Zeit vom 22. Juli bis zum 27. September 1918 wurde an 4 bis 6 Halbtagen, das von den Zweigen gerupfte Laub getrocknet und in S\u00e4cke gesammelt als \u201eLaubheu\u201c dem Milit\u00e4r \u00fcbergeben. Da es an Gespinstfasern mangelte, wurden 500 Kilo frische Brennnesseln mit 43 Mark verg\u00fctet. In den letzten Kriegswochen herrschte in unserer Gegend eine gef\u00e4hrliche Grippe, sie wurde \u201eLungenpest\u201c genannt. Viele, vor allem junge Menschen, fielen ihr zum Opfer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann war es soweit. Der 9. November 1918 brachte den ersehnten Waffenstillstand. Der Krieg war verloren! Die Soldaten kehrten heim und wurden wie Sieger empfangen. In Schleiden waren viele H\u00e4user mit Fahnen geschm\u00fcckt. In Dreiborn wurden Milit\u00e4rpferde, die nicht mehr gut zu Fu\u00df waren, im Dorf zur\u00fcck gelassen. Es gab Extrarationen Pferdefleisch. Nach Abschluss des Waffenstillstands beschlagnahmte man in Schleiden die Schulen zuerst f\u00fcr die heimkehrenden Truppen, danach f\u00fcr die Besatzung. Die evangelische Schule diente als \u201eStore\u201c, Lebensmittellager f\u00fcr kanadische Soldaten und als Annahmestelle f\u00fcr abgegebene Waffen. Bis Ende Januar fiel der Unterricht aus. Als der Schulbetrieb zaghaft wieder aufgenommen wurde, hat man die Kaiserbilder abgeh\u00e4ngt. In die vorhandenen Rahmen kamen K\u00fcnstlerbilder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIm Felde ungeschlagen!\u201c, war nun die Parole! \u00dcberall auch auf dem Gebiet der heutigen Stadt Schleiden wurden in den folgenden Jahren Heldengedenktafeln und Denkmale f\u00fcr die gefallenen und vermissten Helden aufgestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den sonnt\u00e4glichen Andachten der \u201e<a href=\"http:\/\/www.google.de\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=3&amp;ved=0CEMQFjAC&amp;url=http%3A%2F%2Fhistory-st-benedikt.herbern.de%2FTodesangstbruderschaft.pdf&amp;ei=tLD4UbWMGcrePYqDgLAJ&amp;usg=AFQjCNEmoYEoe-gd73iSG1_JK59NND4rqQ&amp;bvm=bv.49967636,d.ZWU&amp;cad=rja\">Todesangstbruderschaft<\/a>\u201c, welche damals \u00fcblich waren, wurden monatlich einmal die gefallenen Helden alle vom Pastor mit Namen genannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So blieb der \u201eHurra-Patriotismus\u201c erhalten. Auch Kriegervereine trugen dazu bei. Diese marschierten bei allen Ortsfesten und Umz\u00fcgen der Nachkriegszeit vor allen anderen Vereinen und waren ma\u00dfgeblich an der Gestaltung der Ortsfeste beteiligt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gab aber auch \u201eAlte K\u00e4mpfer\u201c, welche auf Grund ihrer schweren Verwundungen nicht mitmarschieren konnten. Sie hatten an vorderster Front, wie man damals sagte, in der Schei\u00dfe gelegen und die Schnauze voll. Zu diesen geh\u00f6rte der Gem\u00fcnder Bahnbeamte Walter K\u00e4mper. Er war als junger Mann mit Begeisterung in den Krieg gezogen. Er war Tr\u00e4ger des Eisernen Kreuzes und hatte in den K\u00e4mpfen vor Verdun ein Bein verloren. Er sagte: \u201eStatt von Helden sollte man lieber von armen Schweinen reden.\u201c Das durfte er aber nur im kleinen Kreise sagen und nicht allzu laut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Geburt des Stammhalters im Jahre 1920 fragte die Hebamme: \u201eFreuen sie sich nicht \u00fcber den strammen Jungen?\u201c \u201eNein,\u201c sagte er, \u201eein M\u00e4dchen w\u00e4re mir lieber. Jungen sind ja doch nur Kanonenfutter!\u201c Er hatte Recht! Sein einziger Sohn starb im zweiten Weltkrieg 1943 als Soldat im Osten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Dreiborn starben von ca. 900 Einwohnern im Ersten Weltkrieg 50 Soldaten, im Zweiten Weltkrieg ca. 100 Soldaten, M\u00e4nner, Frauen und Kinder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem schrecklichsten Krieg aller Zeiten 1939-1945, in dem auch unsere Heimat zum Frontgebiet wurde, verklang dann, so wollen wir hoffen, das letzte \u201eHurra Viktoria!\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor 100 Jahren, 1914 begann der Erste Weltkrieg. Grund genug f\u00fcr das \u201eGeschichtsforum Schleiden\u201c sich um die Sichtung noch vorhandener Aufzeichnungen \u00fcber die damalige Zeit in unserem Raum zu bem\u00fchen. Durch die Flut von Daten \u00fcber den Zweiten Weltkrieg k\u00f6nnten sonst \u201ePatriotismus\u201c und \u201eElend\u201c des Ersten Weltkriegs in unserer Heimat vergessen werden. Die den beiden Weltkriegen vorangegangenen Kriege, welche man fast als Scharm\u00fctzel bezeichnen k\u00f6nnte, sollen als Stimmungsbilder in der damaligen Zeit, wo man aus einem Krieg in den anderen schlitterte, nicht unerw\u00e4hnt bleiben.<\/p>\n<address style=\"text-align: right;\"><strong>Quellen:<\/strong><\/address>\n<address style=\"text-align: right;\">Archiv der Gemeinde Dreiborn<\/address>\n<address style=\"text-align: right;\">Dr. Klein Dreiborn<\/address>\n<address style=\"text-align: right;\">Josef Fesenmeyer Schleiden<\/address>\n<address style=\"text-align: right;\">Jakob B\u00fcchel Schleiden<\/address>\n<address style=\"text-align: right;\">Erich Giermann Schleiden<\/address>\n<address style=\"text-align: right;\">Hermann Hinsen Schleiden<\/address>\n<address style=\"text-align: right;\">Tillmann M\u00fcller Gem\u00fcnd<\/address>\n<address style=\"text-align: right;\">Walter Hanf Hollerath<\/address>\n<p style=\"text-align: left;\">&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschichtliche Stimmungsbilder aus vier Kriegen innerhalb von achtzig Jahren. 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