{"id":2420,"date":"2015-07-10T19:24:13","date_gmt":"2015-07-10T19:24:13","guid":{"rendered":"http:\/\/gf-sle.de\/?p=2420"},"modified":"2019-06-06T14:09:25","modified_gmt":"2019-06-06T14:09:25","slug":"ausstellung-verschleppt-verhungert-verscharrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gf-sle.de\/?p=2420","title":{"rendered":"Ausstellung \u201eVerschleppt, verhungert, verscharrt\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die Ausstellung \u201eVerschleppt, verhungert, verscharrt\u201c in der Hubertus-Kirche in Schmidt <!--more-->ist t\u00e4glich ge\u00f6ffnet und f\u00fcr Besucher kostenfrei. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-2421 size-full\" src=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Verschleppt-Verhungert-Verscharrt.jpg\" alt=\"Verschleppt Verhungert Verscharrt\" width=\"174\" height=\"134\">Benedikt und Konrad&nbsp; Sch\u00f6ller bieten auf Wunsch ein vertiefendes Begleitprogramm an, das F\u00fchrungen durch die Ausstellung, bild- und tonunterst\u00fctzte Bildschirmpr\u00e4sentationen sowie Exkursionen zum Waldgebiet des \u201eBuhlerts\u201c und\/oder zur Sowjetischen Kriegsgr\u00e4berst\u00e4tte nahe Rurberg umfasst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Presse: <a href=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/KSta-Kriegsausstellung-in-Schmidt.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">KSta &#8211; Kriegsausstellung in Schmidt<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem gro\u00dfen Erfolg der europ\u00e4ischen Wanderausstellung \u201eRoutes of Liberation\u201c ist die Hubertus-Kirche in Schmidt erneut Ausstellungsort f\u00fcr ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte. \u201eVerschleppt, verhungert, verscharrt\u201c lautet der Titel einer bedr\u00fcckenden zeithistorischen Dokumentation. Sie thematisiert eines der gr\u00f6\u00dften Kriegsverbrechen des Zweiten Weltkriegs, den Massenmord an 3,3 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen. W\u00e4hrend des fast vierj\u00e4hrigen Vernichtungsfeldzugs der Wehrmacht im Osten gerieten rd. 5,7 Millionen Rotarmisten in deutsche Kriegsgefangenschaft. Die nationalsozialistische Rassenideologie betrachtete sie als \u201eUntermenschen\u201c. Aufs Schlimmste verfolgt und drangsaliert \u00fcberlebten fast 60% der sowjetischen Kriegsgefangenen den Lagerkosmos des Dritten Reiches nicht. Sie starben an Hunger, K\u00e4lte, Krankheiten, Seuchen oder an den Folgen ihrer menschenverachtenden Behandlung. Am 20. Juni dieses Jahres hat die gro\u00dfe Koalition Entsch\u00e4digungszahlungen von 10 Mio. Euro an die sowjetischen Kriegsgefangenen beschlossen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u00fcber 100 Text- und Bildexponate umfassende Ausstellung in Schmidt wurde erneut von Konrad und Benedikt Sch\u00f6ller konzipiert. Benedikt ist als Geschichtslehrer am Bisch\u00f6flichen St. Angela Gymnasium in Bad M\u00fcnstereifel t\u00e4tig. Er fungierte bereits als \u00f6rtlicher wissenschaftlicher Begleiter bei der \u201eRoutes of Liberation\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Mittelpunkt des neuen Ausstellungsprojekts stehen Einzelschicksale slawischer Kriegsefangener, die in der Nordeifel unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen Sklavenarbeit verrichten mussten. Benedikt Sch\u00f6ller erkl\u00e4rt: \u201eDie Pfarre St. Hubertus setzt mit dieser Dokumentation ein wichtiges Zeichen in Richtung V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung zwischen West und Ost. Das Thema kommt zum richtigen Zeitpunkt. Gerade in schwierigen politischen Zeiten sollte man sich vergegenw\u00e4rtigen, zu welch\u2018 fatalen Auswirkungen verst\u00e4rktes S\u00e4belrasseln f\u00fchren kann.\u201c Auch in der Umgebung des H\u00fcrtgenwaldes d\u00fcrfe sich das Erinnern an die braune Zeit nicht alleine auf die Schilderung blutiger Abwehrschlachten aus dem Kriegswinter 1944\/45 beschr\u00e4nken. Zu einer angemessenen Erinnerungskultur geh\u00f6re ebenso zwingend die Auseinandersetzung mit den Verfolgten des nationalsozialisten Terrorregimes, erg\u00e4nzt Konrad Sch\u00f6ller. So beherberge das Waldgebiet des \u201eBuhlert\u201c nicht nur Befestigungsanlagen des \u201eWestwalls\u201c. Auch Ausbildungsorte f\u00fcr selbsternannte \u201eHerrenmenschen\u201c und Orte qualvollen Sterbens f\u00fcr sogenannte \u201eUntermenschen\u201c habe es hier in der \u201ebrauen Zeit\u201c gegeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zeitzeugen, wie Josef M\u00fcllejans aus Schmidt berichten von v\u00f6llig ausgemergelten Kreaturen im Gebiet von Eschauel. Zusammengepfercht in einer Holzbaracke auf blankem Stroh vegetierten sie dort halbverhungert, Tag und Nacht rund um die Uhr bewacht. Um den Rursee bei alliierten Bombenangriffen k\u00fcnstlich einzunebeln, mussten sie mit giftigen Chemikalien gef\u00fcllte S\u00e4uref\u00e4sser bedienen. Wenn der Bewachungsposten au\u00dfer Sicht war, schlichen sich die Schmidter Kinder n\u00e4her zu den gequ\u00e4lten Menschen heran und steckten ihnen heimlich Nahrungsmittel zu. Auch Paul Breuer aus Schmidt erinnert sich noch gut an diese Taten der Barmherzigkeit im Sommer des Jahres 1944. Im Tausch gegen Nahrungsmittel hatten ihm die Kriegsgefangenen in der Baracke am Rurseestrand sogar Ehering und andere pers\u00f6nliche Wertgegenst\u00e4nde angeboten. Sie hofften, damit dem Hungertod entrinnen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Todesursache \u201eDarmkatarrh bei hochgradiger Abmagerung\u201c trug der Lagerarzt des STALAG VI H Arnoldsweiler am 10. Dezember 1942 in die Sterbeurkunde des Sergej Platonow ein. Der Maurer orthodoxen Glaubens, geb. am 1. Januar 1892 in Smolenskaja, geriet am 7. Juli 1942 bei Rostow in k\u00f6rperlich gesundem Zustand in deutsche Kriegsgefangenschaft. Genau 5 Monate sp\u00e4ter, am 7. Dezember 1942 um 2.00 Uhr nachts, wurde es f\u00fcr ihn f\u00fcr immer dunkel. Der Magen des russischen Menschen sei dehnbar, daher kein falsches Mitleid, lautete eines der \u201e12 Gebote f\u00fcr die Behandlung der Russen\u201c aus dem Reichsministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft vom 1. Juni 1941. Nicht nur Sergej Platonow hat zu sp\u00fcren bekommen, was damit gemeint war.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: right;\">Quelle:<br \/>\nREGIO ORATIO Benedikt u. Konrad Sch\u00f6ller &#8211; Nideggener Str. 110 &#8211; 52385 Nideggen-Schmidt<br \/>\nTel. 02474-99180 &#8211; E-Mail: schoeller110@t-online.de &#8211; web: http:\/\/regio-oratio.blog.de<\/h6>\n<div id=\"attachment_2425\" style=\"width: 220px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Platonow2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2425\" class=\"wp-image-2425 size-medium\" src=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Platonow2-210x300.jpg\" alt=\"Platonow2\" width=\"210\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Platonow2-210x300.jpg 210w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Platonow2-718x1024.jpg 718w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Platonow2.jpg 1232w\" sizes=\"auto, (max-width: 210px) 100vw, 210px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2425\" class=\"wp-caption-text\">Sterbefallanzeige Sergej Platonow<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_2424\" style=\"width: 224px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Platonow.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2424\" class=\"wp-image-2424 size-medium\" src=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Platonow-214x300.jpg\" alt=\"Platonow\" width=\"214\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Platonow-214x300.jpg 214w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Platonow-731x1024.jpg 731w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Platonow.jpg 1240w\" sizes=\"auto, (max-width: 214px) 100vw, 214px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2424\" class=\"wp-caption-text\">Personalkarte Sergej Platonow<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ausstellung \u201eVerschleppt, verhungert, verscharrt\u201c in der Hubertus-Kirche in Schmidt<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[],"class_list":["post-2420","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-termine"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2420","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2420"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2420\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5070,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2420\/revisions\/5070"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2420"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2420"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2420"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}