{"id":2549,"date":"2015-10-30T17:10:41","date_gmt":"2015-10-30T17:10:41","guid":{"rendered":"http:\/\/gf-sle.de\/?p=2549"},"modified":"2017-06-28T07:35:34","modified_gmt":"2017-06-28T07:35:34","slug":"aus-der-bilderkiste-ein-fast-vergessener-wirtschaftszweig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gf-sle.de\/?p=2549","title":{"rendered":"Aus der Bilderkiste: Ein fast vergessener Wirtschaftszweig"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Der Eifelwald ist seit Jahrhunderten wichtige Erwerbsgrundlage f\u00fcr viele Menschen der Mittelgebirgsregion. <!--more-->Lohgerbereien nutzten die Rinde von Eichen zum Gerben von Tierfellen, das Holz diente als Brennstoff, es bildete die Grundlage f\u00fcr den Bau der traditionellen Fachwerkh\u00e4user, und durch die Verkohlung lie\u00df sich in gro\u00dfem Stil Holzkohle als Energielieferant f\u00fcr die Schmelz\u00f6fen der bl\u00fchenden Eisenindustrie des Schleidener Landes gewinnen. Diese fr\u00fcher bedeutsamen Waldnutzungen verloren jedoch im 19. und 20 Jahrhundert zunehmend an Bedeutung. Die Eisenindustrie war gr\u00f6\u00dftenteils ins Ruhrgebiet abgewandert, Lohgerberei machte dank anderer Techniken keinen Sinn mehr, und Steinbauten ersetzten den Fachwerkbau. Insbesondere zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzte jedoch f\u00fcr wenige Jahrzehnte eine neue Bl\u00fcte der Holznutzung ein. Nun war es die holzverarbeitende Industrie, die den Menschen Ersatz-Arbeit verschaffte. Das Industriezeitalter er\u00f6ffnete dank technischer Fortschritte die Chance zu\u00a0 wirtschaftlichem S\u00e4gebetrieb mittels Dampfantrieb und elektrischem Strom, der die Schwungr\u00e4der rotieren lie\u00df. Im Raum Schleiden-Gem\u00fcnd bestand beispielsweise das gro\u00dfe S\u00e4gewerk Faust, in Olef gab es einen weiteren S\u00e4gebetrieb, an der heutigen Poensgenstra\u00dfe in Schleiden s\u00e4gte das Dartenne-Werk und in Oberhausen verarbeiteten die \u201aEifeler Holzwerke Stamm &amp; Co\u2018 in den 1930er Jahren den Eifelwald zu Toilettendeckeln, sp\u00e4ter zu Munitionskisten. In Harperscheid besteht bis heute ein gro\u00dfer S\u00e4gebetrieb, um nur einige Beispiele zu nennen. Es gab eine Reihe weiterer kleiner S\u00e4gewerke.<br \/>\nNach 1945 gab es kurzzeitig ein erneutes Aufleben dieser Holzindustrie. Fotos des inzwischen verstorbenen damaligen Mitarbeiters des S\u00e4gewerks Dartenne, Wilfried Jansen, aus den fr\u00fchen Nachkriegsjahren zeigen eindrucksvoll das Geschehen im Werk. Der zeittypische Mangel ist darauf deutlich ablesbar. Hinter der Fahrerkabine eines Langholz-Lastwagens mit \u201aNachl\u00e4ufer\u2018 sieht man beispielsweise den Holzvergaser, aus dem der Motor mit Energie gespeist wurde. Dabei wurden kleine Hartholzst\u00fcckchen verschwelt, das entstehende Gas lieferte den Ersatz-Kraftstoff. Die Fahrt damit war noch ein m\u00fchseliges und zeitraubendes Gesch\u00e4ft. Auf dem Foto erkennt man unter anderem als Helfer oben Josef Berners, darunter Alois Heinen, ganz links Emil Jansen, ganz rechts Richard Henz, 2. v.l.: Alois Walber. Ein weiteres Foto zeigt die Ausdehnung des Betriebes: Das Holzlager erstreckte sich von der Bundesstra\u00dfe 258 am Bahn\u00fcbergang nahezu bis an das Ende der dortigen Bebauung. Die Hallen f\u00fcr die S\u00e4gen standen an der talabw\u00e4rts gelegenen Seite des Werkes. Heute sind nur noch wenige Bauwerke in dem Bereich erhalten, wo jetzt der Bauhof liegt. Die n\u00f6tige Energie gewann das Unternehmen aus einer \u201aLokomobile\u2018, einer gro\u00dfen, fest installierten Dampfmaschine. Die trieb \u00fcber Transmissionsriemen die Schwungr\u00e4der an, aus denen die S\u00e4gen ihre Kraft holten. Beheizt wurde die Lokomobile mit den in Betrieb anfallenden S\u00e4gesp\u00e4nen. Allerdings gingen die weitaus meisten S\u00e4gewerke in den folgenden Jahrzehnten unter, heute behaupten sich nur wenige dieser Unternehmen noch auf dem Markt. Statt dessen ist die \u201awei\u00dfe Holzindustrie\u2018 nach vorne ger\u00fcckt. Nicht ohne Grund bezeichnet sich Schleiden als \u201aHauptstadt des Nationalparks\u2018, der zahlreiche Ausfl\u00fcgler und zunehmend auch \u00dcbernachtungsg\u00e4ste in die Region zieht. Von dem Gro\u00dfschutzgebiet, das weit \u00fcberwiegend bewaldet ist, profitieren insbesondere Beherbergungsunternehmen und die Gastronomie (F.A. Heinen).<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"302\"><a href=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/05_j073-dartenne-1951.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-3016 size-medium\" src=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/05_j073-dartenne-1951-300x187.jpg\" alt=\"Das S\u00e4gewerk Dartenne auf Gangfort am 11. Februar 1951, gesehen vom unteren &quot;H\u00e4hnchen. Die &quot;Gebr\u00fcder Dartenne OHG, S\u00e4ge- und Hobelwerke&quot; unter Leitung von Karl Dartenne besch\u00e4ftigte je nach Jahreszeit zwischen 20 und 40 Mitarbeiter. Das Werk hatte einen eigenen Gleisanschluss, dessen Prellbock kurz vor dem Bahn\u00fcbergang der B 258 stand. Anfangs wurden die Holzwaggons mittels Muskelkraft und Knippstangen&quot; bewegt. Sp\u00e4ter hatte das Werk eine Draisine, die vom Motor eines Opel p 4 angetrieben wurde.\" width=\"300\" height=\"187\" srcset=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/05_j073-dartenne-1951-300x187.jpg 300w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/05_j073-dartenne-1951-768x478.jpg 768w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/05_j073-dartenne-1951-1024x637.jpg 1024w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/05_j073-dartenne-1951.jpg 1772w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/td>\n<td width=\"302\"><a href=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/01_Holzverarbeitung-im-Schleidener-Tal.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-3017 size-medium\" src=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/01_Holzverarbeitung-im-Schleidener-Tal-300x165.jpg\" alt=\"Das S\u00e4gewerk Dartenne auf Gangfort am 18. April 1952.. Bei dem Holzvergaser-Lkw handelt es sich um einen franz\u00f6sischen Berliet. Nach dem Krieg wollten die Franzosen das - von Dartenne bereits bezahlte - Fahrzeug zur\u00fcck haben. Damals baute das Dartenne-Team in k\u00fcrzester Zeit aus den \u00fcberall herumliegenden Schrottlastwagen einen &quot;neuen&quot; Berliet&quot;, den sie an die Franzosen auslieferten. Der richtige Lkw blieb vorerst unter Stroh versteckt. F\u00fcr eine Fahrt nach K\u00f6ln brauchte der Holzvergaser 30 Sack Tankholz mit kleinen Buchenholzst\u00fccken. War der Ofen kalt, dauerte es drei Stunden, bis der Wagen startklar war.\" width=\"300\" height=\"165\" srcset=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/01_Holzverarbeitung-im-Schleidener-Tal-300x165.jpg 300w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/01_Holzverarbeitung-im-Schleidener-Tal-768x422.jpg 768w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/01_Holzverarbeitung-im-Schleidener-Tal-1024x562.jpg 1024w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/01_Holzverarbeitung-im-Schleidener-Tal.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"302\"><a href=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/03_Holzverarbeitung-im-Schleidener-Tal.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3018\" src=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/03_Holzverarbeitung-im-Schleidener-Tal-300x193.jpg\" alt=\"Schleiden\" width=\"300\" height=\"193\" srcset=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/03_Holzverarbeitung-im-Schleidener-Tal-300x193.jpg 300w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/03_Holzverarbeitung-im-Schleidener-Tal-768x493.jpg 768w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/03_Holzverarbeitung-im-Schleidener-Tal-1024x657.jpg 1024w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/03_Holzverarbeitung-im-Schleidener-Tal.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/td>\n<td width=\"302\"><a href=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/03_Holzverarbeitung-im-Schleidener-Tal.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-3018 size-medium\" src=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/03_Holzverarbeitung-im-Schleidener-Tal-300x193.jpg\" alt=\"Schleiden\" width=\"300\" height=\"193\" srcset=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/03_Holzverarbeitung-im-Schleidener-Tal-300x193.jpg 300w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/03_Holzverarbeitung-im-Schleidener-Tal-768x493.jpg 768w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/03_Holzverarbeitung-im-Schleidener-Tal-1024x657.jpg 1024w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/03_Holzverarbeitung-im-Schleidener-Tal.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Eifelwald ist seit Jahrhunderten wichtige Erwerbsgrundlage f\u00fcr viele Menschen der Mittelgebirgsregion.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[83,7],"tags":[],"class_list":["post-2549","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aus-der-bilderkiste","category-historische-fotos"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2549","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2549"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2549\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3022,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2549\/revisions\/3022"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2549"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2549"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2549"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}