{"id":6974,"date":"2021-12-20T13:12:34","date_gmt":"2021-12-20T13:12:34","guid":{"rendered":"https:\/\/gf-sle.de\/?p=6974"},"modified":"2021-12-27T13:30:23","modified_gmt":"2021-12-27T13:30:23","slug":"aus-der-bilderkiste-die-alte-mahlmuehle-zu-gemuend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gf-sle.de\/?p=6974","title":{"rendered":"Aus der Bilderkiste \u2013 Die alte Mahlm\u00fchle zu Gem\u00fcnd"},"content":{"rendered":"<p>Eine im Jahr 1900 abgestempelte Postkarte vom Verlag Wilhelm Lenz in Gem\u00fcnd, <!--more--><\/p>\n<div id=\"attachment_6975\" style=\"width: 350px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Postkarte-Bannmuehle-Gemuend.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6975\" class=\"wp-image-6975\" src=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Postkarte-Bannmuehle-Gemuend-300x265.jpg\" alt=\"\" width=\"340\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Postkarte-Bannmuehle-Gemuend-300x265.jpg 300w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Postkarte-Bannmuehle-Gemuend-1024x904.jpg 1024w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Postkarte-Bannmuehle-Gemuend-768x678.jpg 768w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Postkarte-Bannmuehle-Gemuend.jpg 1304w\" sizes=\"auto, (max-width: 340px) 100vw, 340px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6975\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Bei dem Haus rechts, hier ein Ausschnitt einer im Jahr 1900 abgestempelten Postkarte, handelt es sich um eine Gem\u00fcnder Getreidem\u00fchle, die bis 1899 existierte.<\/span><\/p><\/div>\n<p>die aus der Sammlung von Herbert Wollgarten aus Morsbach stammt, zeigt die heutige Alte Bahnhofstra\u00dfe mit der evangelischen Kirche an der Urft in Gem\u00fcnd. Der Fotograf muss oben im heutigen Hotel Friedrichs gestanden haben. Bei dem Haus rechts im Bild handelt es sich um eine M\u00fchle, einen Bau aus der zweiten H\u00e4lfte des 17. Jahrhunderts, zu der der kleine Stall links daneben geh\u00f6rte. Vom Wehr an der evangelischen Kirche f\u00fchrte ein Wassergraben zur M\u00fchle, von wo aus das Wasser wieder in die Urft geleitet wurde. Der Graben ist zugesch\u00fcttet worden. Wo das Wehr stand, ergie\u00dft sich heute ein kleiner Wasserfall. &nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>N\u00e4heres \u00fcber dieses Haus ist in dem Artikel \u201eDie alte Mahlm\u00fchle zu Gem\u00fcnd\u201c des Gem\u00fcnder Historikers Wilhelm G\u00fcnther zu erfahren, der am 17. Februar 1961 in der Eifeler Volkszeitung erschienen ist. Demnach war die Gem\u00fcnder Mahlm\u00fchle urspr\u00fcnglich eine Bannm\u00fchle der Herrschaft Dreiborn. Durch ein im 12. Jahrhundert entstandenes Gewerbebannrecht hatte der Grundherr, hier der aus Dreiborn, das alleinige Recht zum Bau und Betreiben einer M\u00fchle. Er konnte seine Untertanen zwingen, dort ihr Getreide mahlen zu lassen.<\/p>\n<p>1419 wurde die Gem\u00fcnder M\u00fchle zum ersten Mal erw\u00e4hnt. Das Weistum, d.h. die Rechtsordnung der Herrschaft Dreiborn, aufgezeichnet im Jahre 1419, dem Geburtsjahr der Lehnherrschaft Dreiborn, berichtet auch \u00fcber die M\u00fchlen des Landes Dreiborn: \u201eAuch so synt tzwo Mullen in dem Landt, da weyss eyn geglicher huysmann wo er gehoert zu maellen.\u201c \u201eDiese M\u00fchlen lagen in Gem\u00fcnd und Olef. Sp\u00e4ter sind noch andere M\u00fchlen hinzugekommen\u201c, berichtet G\u00fcnther. \u201eDie Gem\u00fcnder M\u00fchle, gelegen gleich oberhalb der J\u00fclicher Br\u00fccke mit dem Wehr unterhalb der evangelischen Kirche, existierte also bereits 1419, geht mindestens in das 14., wenn nicht gar in das 13. Jahrhundert zur\u00fcck. Die M\u00fchle war Eigentum der Herrschaft Dreiborn. Die Bewohner links der Urft gelegenen Teile von Mauel, Gem\u00fcnd und Malsbenden mussten hier mahlen lassen.\u201c Wer anderswo mahlen lie\u00df und dabei vom M\u00fcller erwischt wurde, verlor \u201eSack und Perdt\u201c. Das Pferd erhielt der Dreiborner Landesherr, Sack und Mehl behielt der M\u00fcller. Lie\u00dfen die Maueler, Gem\u00fcnder und Malsbendener in der Gem\u00fcnder M\u00fchle mahlen, mussten sie dem M\u00fcller seinen Mahllohn, den \u201eMolther\u201c, geben. Laut G\u00fcnther durften auch die Gem\u00fcnder und Malsbendener rechts der Urft und die Wolfgartener, die auf dem Grund und Boden des Amtes Heimbach lebten, in der Gem\u00fcnder M\u00fchle mahlen lassen. Aber zuerst wurde das Getreide der Untertanen gemahlen, die zur Herrschaft Dreiborn geh\u00f6rten.<\/p>\n<p>\u201eDie M\u00fchlenpacht war ziemlich hoch\u201c, so G\u00fcnther. \u201eIm Jahre 1556 waren im Jahr zu zahlen 30 Malter Hafer, zwei fette Schweine zu 250 Pfund, acht G\u00e4nse und acht Kapaunen (Masth\u00e4hne).\u201c Es gab ein eigenes Gem\u00fcnder Malter, das etwa 165,2 Litern entsprach.<\/p>\n<p>Auch Namen der M\u00fcller aus der Gem\u00fcnder M\u00fchle sind \u00fcberliefert. Im September 1574 ist \u201eWilhelm Mauwel Jorresson von Malsbenden Mulner zu Gem\u00fcnd\u201c. Im Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg hatten Mitglieder der Familie Vandt die M\u00fchle gepachtet. \u201eIm Jahre 1676 gab es zwei P\u00e4chter: Hans Peter Esch und Johann Geyr\u201c, schreibt G\u00fcnther. \u201eLetzterer war ein unternehmender Mann. Er hatte auch die M\u00fchlen zu Olef, am Patersweiher (bei Dreiborn) und in der Schafbach (bei Berescheid) gepachtet und war 1694 auch Eisenfabrikant (,Reitmeister\u2018) zu Olef. Im Jahre 1710 war eine Frau Daria Werner M\u00fchlenp\u00e4chterin. Zuletzt hatten die Herren von Harff im Jahre 1789 die M\u00fchle an Johann J\u00fcffing (Wollseifen) verpachtet. Er war zugleich Besitzer der halben Pletschm\u00fchle (oberhalb der Sauerm\u00fchle im Helingstal) und beziffert in einer Steuererkl\u00e4rung sein Verm\u00f6gen (zwei H\u00e4user und 42 Morgen Land) auf 563 Reichstaler und sein Einkommen auf 32 Reichstaler. In der Pacht hatte sich die Herrschaft seit dem 17. Jahrhundert auf Roggen (Pachtzins 13 Malter) umgestellt; dagegen waren drei fette Schweine zu 250 Pfund und statt des Gefl\u00fcgels ein Goldgulden zu geben.\u201c Um 1750 betrug die M\u00fchlenpacht neben den 13 Maltern Roggen und 3 fetten Schweinen noch 24 Reichstaler und 6 Pfund Kanarienzucker.\u201c Kanarienzucker ist laut des 1873 erschienenen f\u00fcnften Bandes des Deutschen W\u00f6rterbuchs von Jacob und Wilhelm Grimm der Zucker von den Kanarischen Insel vor Marokko.<\/p>\n<p>Die Gem\u00fcnder M\u00fchle hatte 1820 zwei unterschl\u00e4chtige Wasserr\u00e4der und zwei G\u00e4nge. In ihr waren zwei Arbeiter besch\u00e4ftigt. G\u00fcnther berichtet weiter: \u201eGegen Ende des vorigen Jahrhunderts ging die M\u00fchle in den Besitz der Gebr\u00fcder Fesenmeyer \u00fcber, die sie abbrechen lie\u00dfen, um hier 1899 eine Kraftanlage zu errichten. Die Stadt Gem\u00fcnd wurde von dort aus von 1900 bis April 1914 mit elektrischem Strom versorgt.\u201c 1914 \u00fcbernahm die Rurtalsperrengemeinschaft die Stromversorgung. 1961, als G\u00fcnthers Artikel erschien, stand dort das Haus Runge, heute Middel.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: right;\"><em>Ein Beitrag von Bernd Kehren und Herbert Wollgarten<\/em><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine im Jahr 1900 abgestempelte Postkarte vom Verlag Wilhelm Lenz in Gem\u00fcnd,<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[83],"tags":[],"class_list":["post-6974","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aus-der-bilderkiste"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6974","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6974"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6974\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6979,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6974\/revisions\/6979"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6974"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6974"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6974"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}