{"id":7252,"date":"2022-04-17T06:55:01","date_gmt":"2022-04-17T06:55:01","guid":{"rendered":"https:\/\/gf-sle.de\/?p=7252"},"modified":"2022-04-22T08:15:15","modified_gmt":"2022-04-22T08:15:15","slug":"aus-der-bilderkiste-seit-1881-cafe-drehsen-theisen-in-gemuend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gf-sle.de\/?p=7252","title":{"rendered":"Aus der Bilderkiste \u2013 Seit 1881 &#8211; Caf\u00e9 Drehsen-Theisen in Gem\u00fcnd"},"content":{"rendered":"<p>Einen gro\u00dfen und renommierten Raum am Gem\u00fcnder Platz \u201eAlte Schule\u201c nimmt das Caf\u00e9 Drehsen-Theisen ein. Die urspr\u00fcngliche B\u00e4ckerei war eine von vielen im St\u00e4dtchen, aber eine mit langer Tradition.<!--more--><\/p>\n<p>Dazu hei\u00dft es beim verstorbenen Ortshistoriker Rudolf Gehrke: \u201eNicht minder bekannt, war das \u00fcber drei Generationen von der Familie Drehsen in der Dreiborner Stra\u00dfe gef\u00fchrte Gesch\u00e4ft. Die drei Firmeninhaber f\u00fchrten alle den gleichen Vornamen Peter.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_0_placeholderDer Gro\u00dfvater des sp\u00e4teren B\u00fcrgermeisters von Gem\u00fcnd hatte bei einem B\u00e4ckermeister in D\u00fcren gelernt, ehe er sich in dem Haus Dreiborner Stra\u00dfe 170 selbst\u00e4ndig machte. Weil die Kapitaldecke d\u00fcnn war, schaute er sich unter den infrage kommenden T\u00f6chtern des Landes um. Freunde rieten ihm, eines der Saurbier-M\u00e4dchen \u201eam Berg\u201c zu ehelichen, denn \u201edie k\u00f6nne gut einen Backofen mitbringen!\u201c Auf den Rat guter Freunde konnte man sich auch damals schon verlassen. Peter tat wie ihm geraten wurde.<\/p>\n<p>Auf den Tisch kam damals das \u00fcbliche Schwarzbrot, das uralte Eifeler Roggenschrotbrot. Es war dann auch gleich im Schleidener Tal eine Sensation, als Peter Drehsen (I.) begann, Graubrot zu backen. Es hatte sich also gelohnt, \u00fcber die Grenze des Kreises hinauszugehen, um dort zu lernen. Der Kundenkreis f\u00fcr diese Neuerung war selbstredend klein, denn was man nicht kennt &#8230;. Etwas Neues setzte sich damals in der Eifel nur sehr langsam durch. Der Umsatz betrug in den ersten Jahren etwa sechs Brote die Woche.<\/p>\n<p>Prominenz, die auch schon einmal \u00fcber die Grenzen des engen Tales hinausgeschaut hatte, geh\u00f6rte zum Kundenkreis, so der damalige Landrat Hermann von Schlechtendal, die Fabrikantenfamilie Fesenmeyer und Ferdinand Poensgen. F\u00fcr letzteren wurde das Brot extra kurz und gedrungen gebacken, \u201edamit es weniger Kruste hat!\u201c wie er zu sagen pflegte. Der Fabrikant Rudolf Haas war besonders sparsam; er bestellte ein halbes Graubrot f\u00fcr die Woche.<\/p>\n<p>Die S\u00f6hne Peter und Josef, die im v\u00e4terlichen Betrieb arbeiteten, wurden zwecks Erweiterung der Kenntnisse im B\u00e4ckerhandwerk nach Bonn geschickt, um sich mit der Feinb\u00e4ckerei vertraut zu machen.<\/p>\n<p>1913 erweiterte Peter Drehsen (II.) den Betrieb um ein Caf\u00e9. Auch das war eine Neuerung im Schleidener Tal. Es bestand aus zwei kleinen durchgehenden R\u00e4umen mit 16 Sitzpl\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Aufgeschlossenheit zeichnete den B\u00e4ckermeister aus. Im gleichen Jahr stellte er einen Dampfbackofen auf. 1924 wurde in seinem Haus die erste elektrische K\u00fchlanlage im damaligen Kreis Schleiden installiert. Das Caf\u00e9 wurde erweitert, ein Gartencaf\u00e9 schloss sich bald an.<\/p>\n<p>Zusammen mit dem r\u00fchrigen B\u00fcrgermeister Josef T\u00f6chters stellte er \u00dcberlegungen an, wie die aufbl\u00fchende Kurstadt Gem\u00fcnd f\u00fcr den Fremdenverkehr attraktiver zu gestalten war. Auch an der Neugr\u00fcndung der Sch\u00fctzengesellschaft durch T\u00f6chters war er ma\u00dfgeblich beteiligt.<\/p>\n<p>Als er 1934 von seinen Mitb\u00fcrgern aufrichtig betrauert starb, r\u00fcckte sein damals gerade zwanzigj\u00e4hriger Sohn Peter (III.), nunmehr der dritte in Folge, nach. Im darauffolgenden Jahr legte er seine Meisterpr\u00fcfung ab und war damit j\u00fcngster Handwerksmeister im ganzen Rheinland.<\/p>\n<p>Das Caf\u00e9 wurde erweitert und bot 170 G\u00e4sten Platz, um Kuchen, Torte und eine gute Tasse Kaffee zu genie\u00dfen. Das Ende kam am Kirmessonntag des Jahres 1944. Amerikanische Jagdbomber griffen im Tiefflug einen Tanklastwagen an, der hinter der Dreiborner Stra\u00dfe geparkt war. Die gewaltige Explosion l\u00f6ste ein Flammeninferno aus. Vom Haus des B\u00e4cker- und Konditormeisters Peter Drehsen blieben nur noch angeschw\u00e4rzte Mauerreste.<\/p>\n<p>Als der nunmehr einunddrei\u00dfigj\u00e4hrige Peter aus dem Krieg heimkehrte, krempelte er die \u00c4rmel hoch und sechs Wochen sp\u00e4ter zog er wieder die ersten Brote aus dem Backofen.<\/p>\n<p>Am Kirmessonntag 1949 war das Caf\u00e9 wieder hergerichtet, eine Gartenterrasse kam sp\u00e4ter hinzu.<\/p>\n<p>Peter Drehsen (III.) setzte sich in hohem Ma\u00dfe f\u00fcr seine Mitb\u00fcrger ein. Er \u00fcbernahm Pflichten in der Kreis-Innung und war Mitglied der Vollversammlung in der Handwerkskammer Aachen. Seit 1952 geh\u00f6rte er dem Stadtrat an und bekleidete von 1964 bis zur Kommunalen Neugliederung 1971 das Amt des B\u00fcrgermeisters.<\/p>\n<p>Vielen Gem\u00fcndern wird noch in Erinnerung sein, dass das Caf\u00e9 f\u00fcr zahlreiche Festivit\u00e4ten sehr gefragt war, ob f\u00fcr Sch\u00fctzen, Feuerwehr, Karnevalsverein, M\u00e4nnergesangverein oder auch f\u00fcr die Politik. So schreibt die K\u00f6lnische Rundschau am 22. November 1952 \u00fcber ein wichtiges Ereignis: \u201eDer neu gew\u00e4hlte Stadtrat versammelt sich wegen der gewachsenen Mitgliederzahl im Caf\u00e9 Drehsen, also im Haus bei einem der ihrigen. Man sitzt getrennt nach Fraktionen, an hufeisenf\u00f6rmig aufgestellten, wei\u00dfgedeckten Tischen, die mit Blumen dekoriert sind. Eine so formvollendete Sitzung hatte Gem\u00fcnd seit Kriegsende nicht wieder erlebt. Mit dreizehn von achtzehn Stimmen wird Dr. Max Fesenmeyer zum neuen B\u00fcrgermeister gew\u00e4hlt. Sein Stellvertreter wird der Dachdeckermeister Peter Mohren.\u201c<\/p>\n<p>Die fr\u00fchere Chefin Elisabeth Theisen, vormals verheiratet mit Peter Drehsen (III.), \u00fcber gab am 1. Januar 1990 das Traditionsgesch\u00e4ft an Sohn Carl-Leo, den gelernten B\u00e4ckermeister und Koch, und dessen Ehefrau Hedi. Seinen Charme strahlte weit \u00fcber die Stadtgrenzen hinaus und die lukullischen Qualit\u00e4ten zu jeder Jahreszeit erfreuten gleicherma\u00dfen Gem\u00fcnder und touristische G\u00e4ste.<\/p>\n<p>Im Juli 2021 wurde Caf\u00e9 durch die gro\u00dfe Flut stark zerst\u00f6rt. Hoffen wir, dass das zerst\u00f6rte Caf\u00e9 und Restaurant nach der Gesch\u00e4fts\u00fcbergabe, Renovierung und Wiederer\u00f6ffnung in neuem Glanz erstrahlt und den G\u00e4sten zur Verf\u00fcgung steht.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-size: 8pt;\">Ein Beitrag von Klaus St\u00fcber<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einen gro\u00dfen und renommierten Raum am Gem\u00fcnder Platz \u201eAlte Schule\u201c nimmt das Caf\u00e9 Drehsen-Theisen ein. 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