{"id":7907,"date":"2023-04-24T14:49:45","date_gmt":"2023-04-24T14:49:45","guid":{"rendered":"https:\/\/gf-sle.de\/?p=7907"},"modified":"2023-04-26T13:42:23","modified_gmt":"2023-04-26T13:42:23","slug":"aus-der-bilderkiste-die-entwicklung-des-gerichtswesens-in-gemuend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gf-sle.de\/?p=7907","title":{"rendered":"Aus der Bilderkiste: Die Entwicklung des Gerichtswesens in Gem\u00fcnd"},"content":{"rendered":"<p>Die Gerichtsbarkeit in Gem\u00fcnd hat eine lange und bewegte Geschichte. Im Mittelalter hatten die Edelherren oder Grafen in ihren Territorien die Gerichtsbarkeit.<!--more--> Bis 1794 geh\u00f6rte das Land links der Urft zur Dreiborner Seite und rechts der Urft zur J\u00fclicher\/Heimbacher Seite. In diesen Gebieten wurden Sch\u00f6ffengerichte errichtet. Seit 1624 unterstand Gem\u00fcnd auf der J\u00fclicher Seite dem Sch\u00f6ffengericht Heimbach. Seit Ende des 16. Jahrhunderts wurden die Gerichtsverhandlungen des Sch\u00f6ffengerichts von Dreiborn in Gem\u00fcnd gehalten.<\/p>\n<p>Erster Friedensrichter auf J\u00fclicher Seite in Gem\u00fcnd war 1798 Ign. Stoltzen. Vorher war er Amtmann in Heimbach. Da er in Heimbach wohnte, waren auch die Gerichtsr\u00e4ume in Heimbach. In Gem\u00fcnd standen keine R\u00e4ume zur Verf\u00fcgung. Sein Nachfolger als Friedensrichter &#8211; B\u00fccken, setzte dann auch Gerichtstermine in Gem\u00fcnd an. In Heimbach war allerdings das Kantonsgef\u00e4ngnis. Wegen des Transportes der Gefangenen nach Gem\u00fcnd gab es deshalb Probleme.<\/p>\n<p>Durch den Einmarsch der Revolutionstruppen kam Ende des 18. Jahrhunderts das Rheinland und somit auch Gem\u00fcnd unter franz\u00f6sische Herrschaft. Die Franzosen begr\u00fcndeten 1798 den Kanton Gem\u00fcnd und f\u00fchrten hier auch das franz\u00f6sische Recht ein. Gem\u00fcnd erhielt damit auch das Friedensgericht. 1815 wurde das Rheinland auf dem Wiener Kongress Preu\u00dfen zugeschlagen. Gem\u00fcnd wurde 1816 Kreisstadt. Durch die Entscheidung der preu\u00dfischen Regierung blieb vorerst (bis 1900) franz\u00f6sisches Recht bestehen und Gem\u00fcnd behielt das Gericht.<\/p>\n<p>Die Kreisstadt musste nun nach R\u00e4umlichkeiten f\u00fcr das Gericht suchen. 1820 wurde f\u00fcr ein Jahr das Haus Rotscheid am Fallstock (heute Schleidener Str.) Nr. 86 f\u00fcr das Friedensgericht angemietet. Ein Jahr sp\u00e4ter vermietete Wilhelm Jacob G\u00fcnther, zuerst zu g\u00fcnstigen Konditionen, sein Haus in der Bergstra\u00dfe dem Friedensgericht. Sp\u00e4ter gab es Auseinandersetzungen wegen der Mieterh\u00f6hungen.<\/p>\n<div id=\"attachment_7909\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Gericht_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7909\" class=\"wp-image-7909 size-medium\" src=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Gericht_2-300x218.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"218\" srcset=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Gericht_2-300x218.jpg 300w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Gericht_2.jpg 715w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7909\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif; font-size: 8pt;\">Bild 1: Amtsgericht 1856-1878, Haus Poensgen\/Allofs, Hinterhaus, Am Werk, heute Alte Bahnhofstra\u00dfe. Foto. Herbrand<\/span><\/p><\/div>\n<p>Inzwischen war Schleiden Kreisstadt geworden und wollte auch wieder ein Gericht haben. Deshalb gab es Auseinandersetzungen mit Gem\u00fcnd, aber das Gericht blieb weiterhin in Gem\u00fcnd. Im Jahre 1856 zog das Friedensgericht erneut um. Im Hinterhaus des Albert Poensgen, Am Werk, (heute Alte Bahnhofstr. Haus Allofs\/Konrads) blieb das Friedensgericht fast 25 Jahre.<\/p>\n<p>Im Jahre 1877 wurde in Berlin ein neues Gerichtsverfassungsgesetz zur Vereinheitlichung der Gerichtsordnung erlassen. Die Friedensgerichte wurden in Amtsgerichte umbenannt und neue Gerichtsbezirke wurden eingerichtet.<\/p>\n<p>Jetzt wandten sich Kaller Industrielle an die K\u00f6lner Justizbeh\u00f6rden, um eine Verlegung des Amtsgerichts von Gem\u00fcnd nach Kall zu erreichen. Nach vielen Aktivit\u00e4ten des B\u00fcrgermeisters von Gem\u00fcnd und durch Kontaktaufnahmen in Berlin mit dem Geheimen Regierungsrat von Harff, der aus der Eifel kam, und der Zusage ein neues Gerichtsgeb\u00e4ude zur Verf\u00fcgung zu stellen, kam dann von Berlin die erl\u00f6sende Nachricht, dass Gem\u00fcnd weiterhin Gerichtsstandort bleiben durfte.<\/p>\n<p>Im September 1878 kam bei der Besichtigung des Hauses Am Werk eine Kommission zu der Ansicht, dass die Gerichtsr\u00e4ume nicht mehr geeignet seien. Die Stadt Gem\u00fcnd sollte ein neues Gerichtsgeb\u00e4ude zur Verf\u00fcgung stellen. Zwei Tage nach der Besichtigung durch die Kommission beschloss der Stadtrat von Gem\u00fcnd, ein Gerichtsgeb\u00e4ude zur Verf\u00fcgung zu stellen.<\/p>\n<div id=\"attachment_7911\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Gericht_4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7911\" class=\"wp-image-7911 size-medium\" src=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Gericht_4-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Gericht_4-300x200.jpg 300w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Gericht_4-768x513.jpg 768w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Gericht_4.jpg 854w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7911\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 8pt; font-family: 'times new roman', times, serif;\">Bild 2: Gerichtsgeb\u00e4ude 1878-1945, gro\u00dfes Geb\u00e4ude rechts, Dreiborner Str. gegen \u00fcber dem Rathaus, mit Erker. Foto: privat<\/span><\/p><\/div>\n<p>Da sich kein geeignetes Geb\u00e4ude in Gem\u00fcnd befand, sollte ein neues Haus errichtet werden, welches sowohl das Amtsgericht als auch das Rathaus aufnehmen sollte. Ein Grundst\u00fcck in der Dreiborner Stra\u00dfe wurde erworben, und am 27. November 1878 konnte der Grundstein gelegt werden. Die Errichtung des Geb\u00e4udes ging z\u00fcgig voran, sodass bereits im Oktober 1879 die erste Gerichtsverhandlung stattfinden konnte. Hinter dem Amtsgericht befand sich das Gef\u00e4ngnis (Bild 2). Der damalige Friedensrichter in Gem\u00fcnd, Heinrich Hauck, wurde am 29.01.1880 zum Amtsgerichtsrat ernannt. Im Jahre 1879 gab es bereits zwei Richter am Amtsgericht. Schon bald war das Geb\u00e4ude f\u00fcr zwei Verwaltungen zu klein, sodass die Stadt Gem\u00fcnd ein neues Rathaus auf der Dreiborner Stra\u00dfe gegen\u00fcber dem Amtsgericht erbauen lie\u00df.<\/p>\n<div id=\"attachment_7912\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Gericht_5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7912\" class=\"wp-image-7912 size-medium\" src=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Gericht_5-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Gericht_5-300x199.jpg 300w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Gericht_5-768x510.jpg 768w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Gericht_5.jpg 831w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7912\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 8pt; font-family: 'times new roman', times, serif;\">Bild 3: Dreiborner Stra\u00dfe nach Bombenangriffen im Mai 1945, Rechts hinter dem Haus Windhausen die Tr\u00fcmmer des Amtsgerichts. Foto: Herbrand<\/span><\/p><\/div>\n<p>Kurz vor Ende des 2.Weltkriegs sprengten deutsche Soldaten das Gerichtsgeb\u00e4ude in der Dreiborner Stra\u00dfe (Bild 3).<\/p>\n<p>Nach dem 2.Weltkrieg musste das Amtsgericht Gem\u00fcnd unter recht schwierigen Bedingungen im Herbst 1945 wieder errichtet werden. Mit einem Richter wurde das Amtsgericht in der 2. Etage und im Dachgeschoss des damaligen Finanzamtes in der Schleidener Stra\u00dfe untergebracht. Das Geb\u00e4ude war im Krieg wenig besch\u00e4digt worden. In diesem Haus musste sich das Gericht mit dem Finanzamt, der Polizei, der Post, der Stadtverwaltung und dem Zoll die R\u00e4ume teilen. F\u00fcr kurze Zeit war das Gericht 1949 im Hause Knie, Ecke Dreiborner Stra\u00dfe\/Neustr. untergebracht.<\/p>\n<p>&nbsp;Im Oktober 1949 wurde am Marienplatz mit einem Neubau des Amtsgerichts begonnen. Am 12.06.1951 konnte das Amtsgericht feierlich er\u00f6ffnet und von Oberamtsrichter Karl Kaefer als ersten Richter \u00fcbernommen werden. Bereits 1951 kam ein Erweiterungsbau mit Gef\u00e4ngnistrakt hinzu (Bilder 4 und 5).<\/p>\n<table style=\"border-collapse: collapse; width: 100%;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 50%;\">\n<p><div id=\"attachment_7914\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Gericht_7.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7914\" class=\"wp-image-7914\" src=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Gericht_7-294x300.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"255\" srcset=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Gericht_7-294x300.jpg 294w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Gericht_7.jpg 570w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7914\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 8pt; font-family: 'times new roman', times, serif;\">Bild 4: Baubeginn des Amtsgerichts am Marienplatz (Richter Karl Kaefer in der Bildmitte).<\/span><\/p><\/div><\/td>\n<td style=\"width: 50%;\">\n<p><div id=\"attachment_7915\" style=\"width: 320px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Gericht_8.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7915\" class=\"wp-image-7915\" src=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Gericht_8-300x208.jpg\" alt=\"\" width=\"310\" height=\"215\" srcset=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Gericht_8-300x208.jpg 300w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Gericht_8.jpg 698w\" sizes=\"auto, (max-width: 310px) 100vw, 310px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7915\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 8pt; font-family: 'times new roman', times, serif;\">Bild 5: Errichtung der Kellerr\u00e4ume, Amtsgericht Gem\u00fcnd, Marienplatz, 1950. Foto: privat<\/span><\/p><\/div><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die \u00dcberschwemmungen durch Starkregen in der Nacht vom 14. zum 15. Juli 2021 haben auch die Geb\u00e4ude des Amtsgerichts erheblich besch\u00e4digt; insbesondere wurden der Keller mit den alten Akten unter Wasser gesetzt. Die Wiederherstellung der Akten wird noch lange Zeit in Anspruch nehmen. Heute hat das Amtsgericht Gem\u00fcnd 5 Richter und 49 Mitarbeiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><em>Ein Beitrag von Norbert Stoffers (05\/2023).<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gerichtsbarkeit in Gem\u00fcnd hat eine lange und bewegte Geschichte. 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