{"id":8252,"date":"2023-12-14T15:43:03","date_gmt":"2023-12-14T15:43:03","guid":{"rendered":"https:\/\/gf-sle.de\/?p=8252"},"modified":"2023-12-05T16:03:41","modified_gmt":"2023-12-05T16:03:41","slug":"hoeddelbusch-aus-den-anfangsjahren-eines-schleidener-hotels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gf-sle.de\/?p=8252","title":{"rendered":"H\u00f6ddelbusch &#8211; Aus den Anfangsjahren eines Schleidener Hotels"},"content":{"rendered":"<p>Wenn man \u00fcber die B 265 von Olef nach Schleiden kommt, kann man das Geb\u00e4ude auf der rechten Stra\u00dfenseite gar nicht \u00fcbersehen. <!--more-->Es handelt sich um das Hotel H\u00f6ddelbusch, ein Haus und ein gastronomischer Betrieb, in welchem sich zumindest f\u00fcr die erste H\u00e4lfte des vorigen Jahrhunderts das Schicksal des Ortes Schleiden niedergeschlagen hat. Seinen heutigen Namen verdankt das Hotel dem Waldgel\u00e4nde, das sich (aus Fahrtrichtung Olef) hinter der Kurve oberhalb des kleinen Parkplatzes im Hang befindet.<\/p>\n<p>Gegr\u00fcndet wurde die Restauration um 1900 von Arnold Hermanns; daher trug sie auch zun\u00e4chst den Namen \u201eHotel Hermanns\u201c, wenn auch schon bald die Zusatzbezeichnung \u201eH\u00f6ddelbusch\u201c zu finden ist. Es ist anzunehmen, dass an dieser Stelle vorher eine Art Fuhrmannskneipe f\u00fcr die Pferdefuhrwerke stand, die den beschwerlichen Weg von oder nach Olef zur\u00fccklegten.<\/p>\n<p>In der Zeit der Gr\u00fcndung des Hotels war das H\u00f6ddelbachtal noch vollkommen unbesiedelt, auch entlang der Gem\u00fcnder Stra\u00dfe standen nur ganz wenige H\u00e4user, Arnold Hermanns und seine Ehefrau Sophia (geb. Stein) hatten also nicht in erster Linie Besucher aus der kleinen Kreisstadt Schleiden als G\u00e4ste eingeplant, zumal es in der Innenstadt zum damaligen Zeitpunkt zahlreiche Wirtschaften und Restaurants gab.&nbsp; Vielmehr d\u00fcrfte Arnold Hermanns vom Fuhrwerksverkehr und der aufkommenden Fahrrad-Mode profitiert haben. Pferd und Wagen waren trotz der allm\u00e4hlich einsetzenden Motorisierung das dominierende Verkehrsmittel, sofern man nicht zu Fu\u00df unterwegs war. Schon die Bezeichnung als \u201eHotel\u201c legt nahe, dass Zimmer zur \u00dcbernachtung angeboten wurden. Es war die Zeit des aufkommenden Tourismus. Bei Gem\u00fcnd war die Urfttalsperre im Bau, der Wintersport in den H\u00f6henorten nahm seinen Anfang, in den Sommermonaten zogen Wandergruppen aus den Gro\u00dfst\u00e4dten \u00fcbers Land, die noch junge Oleftalbahn brachte Sommerfrischler ins Schleidener Tal.<\/p>\n<p>Das dritte Standbein waren Familienfeste: Hochzeiten, Jubil\u00e4en, Taufen, Beerdigungen. Ein gro\u00dfer Saal und eine f\u00fcr diese Zeit sehr aufw\u00e4ndige \u201eAu\u00dfengastronomie\u201c boten f\u00fcr derartige Feste einen angemessenen Rahmen. \u00dcberhaupt scheint Arnold Hermanns viel Wert auf das \u00e4u\u00dfere Erscheinungsbild seines Hotels gelegt zu haben. Er pflanzte Obst- und sp\u00e4ter weitere Laubb\u00e4ume vor sein Restaurant, Blumenk\u00e4sten und Sonnenschirme, die sicher nicht zur Standardausr\u00fcstung damaliger Wirtsh\u00e4user geh\u00f6rten, verfehlten die Wirkung auf potentielle G\u00e4ste nicht. So wurde Hermanns im Verzeichnis der Sommerfrischen, Bade- und Kurorte des Eifelvereins 1907 wie folgt aufgef\u00fchrt:<\/p>\n<p>Die Lokalisierung \u201evor dem Ort\u201c weist darauf hin, aus welcher Richtung G\u00e4ste erwartet wurden. Bis weit in den 1. Weltkrieg hinein d\u00fcrfte diese erste Bl\u00fctezeit des Hotels gereicht haben. Erst in den letzten Kriegsjahren (1917\/18) mit Versorgungsengp\u00e4ssen, wirtschaftlicher Not, staatlichen Akquirierungen verschlechterte sich die Lage der gastronomischen Betriebe deutlich. Die G\u00e4ste blieben aus. Und nach Kriegsende verschlimmerte sich die Situation noch einmal. Im Hotel H\u00f6ddelbusch waren englische Soldaten einquartiert. Auf Fotos, die sie gemeinsam mit der Besitzerfamilie zeigen, wirken sie jedoch freundlich; \u00fcberhaupt werden die Briten zwar als strenge und unnachgiebige, aber keineswegs als \u00fcbergriffige oder rachs\u00fcchtige Herren geschildert.<\/p>\n<p>Nach der kurzen britischen Besatzungszeit (Ende 1918 bis Mitte 1919) und der \u00dcbergabe der Besatzung an die Franzosen begann sich das wirtschaftliche Leben allm\u00e4hlich zu entwickeln, und entsprechend stieg die Zahl der Besucher auch im H\u00f6ddelbusch-Hotel wieder an.<\/p>\n<p>Zu den H\u00f6hepunkten der damaligen Zeit geh\u00f6rte sicher am 24. Mai 1921 die Hochzeit von Tochter Mathilde (Helena) mit Otto (Friedrich Wilhelm) Meltzow. Dieser war Volksschullehrer in Olef. Aus diesem Anlass hatten die Schulkinder dort am Hochzeitstag schulfrei und waren G\u00e4ste im H\u00f6ddelbusch. Auch die kirchliche Hochzeit fand in Olef statt (damals politisch noch zur B\u00fcrgermeisterei Dreiborn geh\u00f6rig). Der H\u00f6ddelbach bildete die Grenze der Pfarreien Schleiden und Olef. Daher erkl\u00e4rt sich die Anwesenheit von Olefs Pfarrer Zilligen, K\u00fcster Heutgens und Lehrerin Regina Leuchter auf den Hochzeitsphotos.<\/p>\n<p>Bald wirkte sich auch die staatliche Tourismusf\u00f6rderung durch das Reichsland Preu\u00dfen aus, die Zahl der privaten PKW stieg deutlich, es wurden neue Omnibuslinien eingerichtet, eine Haltestelle direkt vor dem Hotel brachte die G\u00e4ste bis vor die Haust\u00fcr. In diesen wohl nur im Krisenjahr 1923 unterbrochene Aufschwung f\u00e4llt der pl\u00f6tzliche Tod von Arnold Hermanns im Jahre 1927 im Alter von 67 Jahren.<\/p>\n<p>Mit diesem Einschnitt soll in diesem Rahmen die Darstellung der Geschichte des Hotels unterbrochen werden. Die weitere Entwicklung wie auch eine Vertiefung des bisher dargestellten Zeitraums wird im Jahresheft 2025 des Geschichtsforums Schleiden erfolgen.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<h5 style=\"text-align: right;\"><em>Ein Beitrag von Norbert Toporowsky; Fotos Sammlung Markus Meltzow.<\/em><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man \u00fcber die B 265 von Olef nach Schleiden kommt, kann man das Geb\u00e4ude auf der rechten Stra\u00dfenseite gar nicht \u00fcbersehen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[83],"tags":[],"class_list":["post-8252","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aus-der-bilderkiste"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8252","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8252"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8252\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8262,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8252\/revisions\/8262"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8252"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8252"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8252"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}