{"id":8847,"date":"2025-02-23T09:34:30","date_gmt":"2025-02-23T09:34:30","guid":{"rendered":"https:\/\/gf-sle.de\/?p=8847"},"modified":"2025-02-24T09:31:21","modified_gmt":"2025-02-24T09:31:21","slug":"aus-der-bilderkiste-kapelle-kerperscheid","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gf-sle.de\/?p=8847","title":{"rendered":"Aus der Bilderkiste &#8211; Kapelle Kerperscheid"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kleinod und Dorfmittelpunkt&nbsp;<\/strong><!--more-->In vier H\u00f6henorten rund um Schleiden sind im vorigen Jahrhundert Kapellen erbaut worden: in Bronsfeld, Ettelscheid, Kerperscheid und Scheuren. Die \u00e4lteste davon entstand ausgerechnet im (mit Abstand) kleinsten der vier Orte; n\u00e4mlich in Kerperscheid.<\/p>\n<p>Schon im Jahre 1910 schlossen sich dort engagierte Bewohner zu einem Kapellenverein zusammen. \u201eEr hatte den Zweck, den Kapellenbau zu finanzieren und die Kapelle zu unterhalten\u201c, wie es in einem R\u00fcckblick von 1938 hie\u00df.&nbsp; Das \u00e4lteste schriftliche Dokument des Vereins\u2013 festgehalten im noch heute erhaltenen Kapellenbuch \u2013 stammt vom 28. Februar 1912 und nennt elf M\u00e4nner und zwei Frauen als Mitglieder: Arnold Gro\u00df, Hubert Haas, Peter Josef S\u00f6ns, Stephan Cremer, Josef Hansen, Paul Abel, Anton Gro\u00df, Heinrich P\u00fctz, Peter Josef P\u00fctzer, Peter Josef P\u00fctz, Katharina Pitsch, Katharina Gro\u00df, Michael Maier.<\/p>\n<p>Sie hatten durch eifrige Sammlungen \u201evon T\u00fcr zu T\u00fcr\u201c sowie durch Spenden von Ausw\u00e4rtigen innerhalb von zwei Jahren bereits einen Betrag von 3021Mark und 44 Pfennige aufbringen k\u00f6nnen. Obwohl dies noch nicht hinreichend war, begann man 1913 mit dem Bau der Kapelle. Dazu hatte der Vorstand zus\u00e4tzlich eine Anleihe von 1000,- Mark bei Wilhelm Heinen aus Eichen (bei 4,5% Zinsen) aufgenommen.<\/p>\n<p>Soweit eben m\u00f6glich wurden die Arbeiten in Eigenregie durchgef\u00fchrt. Bei den notwendigen Handwerkerarbeiten entschied man sich bewusst f\u00fcr Firmen aus der direkten Umgebung:<\/p>\n<p>Die Kapelle wurde dann noch vor dem 1. Weltkrieg von Schleidens Oberpfarrer Carl Wilhelm Peters unter dem Patronat von Mara Hilf eingeweiht. Aus der Fr\u00fchzeit sind noch der 1916 entstandene Altar sowie die Glocke mit der Inschrift \u201eIte ad Josephum\u201c (Gehet zu Joseph) erhalten. W\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs wurde t\u00e4glich in der Kapelle der Rosenkranz gebetet. Die erste Messe hielt im Herbst 1920 der Schleidener Oberpfarrer Otto Frings, kurz nachdem dieser seine T\u00e4tigkeit in Schleiden aufgenommen hatte. In den folgenden Jahren bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs feierte der jeweilige Schleidener Pfarrer einmal monatlich eine Messe in der Kapelle.<\/p>\n<p>1938 fassten die Mitglieder den Beschluss, das Kapellengrundst\u00fcck mit einer Betonmauer und darauf aufsitzendem Zaun einzufrieden. 1941 war das Dach reparaturbed\u00fcrftig. Ob es noch zu einer Reparatur kam, ist ungewiss, denn das Kriegsgeschehen r\u00fcckte in der Folgezeit immer n\u00e4her. Aber noch am 1. Weihnachtstag 1944 konnte Dechant Neujean in Kerperscheid eine hl. Messe feiern, als Schleiden selbst nach der Bombardierung in den Tagen zuvor schon weitgehend in Schutt und Asche lag.<\/p>\n<p>Bei der Versammlung im M\u00e4rz 1946 beschloss der Verein zwar, \u201edie Kriegssch\u00e4den &#8230;so weit wie m\u00f6glich zu beheben\u201c, damit war vor allem die Erneuerung der kriegszerst\u00f6rten Fenster gemeint; doch stand in der Nachkriegszeit nat\u00fcrlich zun\u00e4chst der Wiederaufbau im privaten Bereich im Vordergrund. Die j\u00e4hrlichen Versammlungen fanden nur noch unregelm\u00e4\u00dfig statt, bis Anfang der 60er Jahre die Sch\u00e4den un\u00fcbersehbar waren. Au\u00dfenputzarbeiten, Dachreparaturen sowie die Erneuerung von zwei Fenstern wurden 1962 vorgenommen. Doch erst 1966 begann eine neue Phase \u2013 ausgel\u00f6st durch eine Aufforderung des Finanzamtes, eine neue Satzung vorzulegen und die Eintragung ins Vereinsregister vornehmen zu lassen, denn \u201epraktisch wurde das Vereinsleben so gestaltet, als handle es sich um einen nicht eingetragenen Verein\u201c. Den Gedanken, auf die Rechtsf\u00e4higkeit als Verein zu verzichten, konnten die Mitglieder nicht weiterverfolgen, da der Verein das Kapellengrundst\u00fcck besa\u00df. Motor des Neuanfangs war Karl Gro\u00df, unter dessen Vorsitz dann im November 1966 die neue und bis heute g\u00fcltige \u201eSatzung des Kapellenvereins Maria Hilf Kerperscheid\/Eifel\u201c beschlossen wurde.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>Eine erneute Aufwertung gelang dann 1975 mit dem Erwerb einer Orgel. In der Chronik der Kapelle zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit in Schleckheim-N\u00fctheim (im S\u00fcden der Stadt Aachen) lesen wir: \u201e1952 Anschaffung einer Orgel aus Privathand, gebaut 1948 von der Firma Steinmann aus Vlotho-Wehrendorf&#8230; 1973 wurde die Orgel durch Einweihung einer neuen elektronischen Orgel ersetzt.\u201c Die nicht mehr ben\u00f6tigte Orgel wurde dann 1974 dem Kapellenverein Kerperscheid geschenkt. Die Orgel wurde von den Br\u00fcdern Willi, Karl und Josef Dederichs abgebaut, nach Kerperscheid transportiert und wieder zusammengebaut. Letztgenannter hatte durch seinen Beruf die entsprechenden Fachkenntnisse. Jahrzehntelang war er als Organist in der Schleidener Pfarrkirche t\u00e4tig. Bei den j\u00e4hrlichen Messen wurde die Orgel von Ruth Irmgard Friderici gespielt, bis sie 1994 aus Altersgr\u00fcnden ihre T\u00e4tigkeit aufgeben musste.<\/p>\n<p>Doch nach fast 90 Jahren zeigten sich um die Jahrtausendwende die Spuren des rauen Eifelklimas. St\u00fcrme und ein Blitzeinschlag hatten die Turmspitze und das Geb\u00e4lk getroffen. Eine grundlegende Renovierung war unumg\u00e4nglich. Das Tonnengew\u00f6lbe erhielt im Rahmen dieser Arbeiten eine verzinkte Stahlarmierung, alte Putz- und Farbreste sowie Risse im Gew\u00f6lbe wurden aufw\u00e4ndig entfernt; den Altarraum schachtete das engagierte Arbeitsteam aus und verf\u00fcllte ihn mit Schotter; die Fenster \u2013 einige davon stammten noch aus dem Jahr 1930 \u2013 baute man aus und restaurierte sie durch eine neue Bleieinfassung, Holz- und Fliesenarbeiten f\u00fcr den Innenraum kamen dazu, damit im Mai 2002 der neue Altartisch seinen Platz finden konnte. Eine besondere Ver\u00e4nderung erfuhr die Orgel, die vorher an der linken Seite des Eingangs positioniert war und daher Raum und Licht in Anspruch nahm. Ihre Restauration bedeutete eine besondere Herausforderung, hatte man sich doch entschlossen, sie nicht nur zu restaurieren, sondern auch nach oben \u00fcber dem Eingang zu positionieren. Dazu musste sie in alle Einzelteile bis in die einzelnen Gelenke und Filzdichtungen zerlegt werden, diese wurden gereinigt und dann wieder zusammengesetzt und in der neuen Position angebracht. Der Spieltisch kam auf die linke Seite, dazu hatte Karl Dederichs eine so genannte Nachtigall gebaut, mit welcher zus\u00e4tzlich zum Orgelspiel ein Vogelgezwitscher nachgeahmt werden kann (laut Wikipedia eine der ganz wenigen Orgeln mit Nachtigall-Register). Zusammen mit den drei Zimbelsternen, die sich beim Orgelspiel oben im Prospekt drehen, ist die Orgel so zu einem absoluten Kleinod geworden; etwas Vergleichbares gibt es zumindest in der n\u00e4heren Umgebung nicht.<\/p>\n<p>Am 8. September, dem Fest Maria Geburt, des Jahres 2002 fand dann die feierliche Wiederer\u00f6ffnung der Kapelle statt. Dechant Philipp Cuck hielt die erste Messe und segnete den neuen Altartisch sowie das Marienbildnis ein. Die Kapellengemeinde \u00fcbereichte ihm das Missale Romanum, welches durch die Liturgiereform des 2.Vatikanischen Konzils au\u00dfer Kraft getreten war, f\u00fcr das Pfarrarchiv. Die kleine Kapelle konnte an diesem Tag die Besucher kaum alle fassen.<\/p>\n<p>Im Jahre 2018 konnte dann auch ein Generationswechsel vollzogen werden: der langj\u00e4hrige fr\u00fchere Vorstand (Karl Dederichs\/1.Vors., Siegfried Berndt\/stellv. Vors. und Hermann Gro\u00df\/ Kassierer) wurde verabschiedet und eine neue F\u00fchrungscrew gew\u00e4hlt: Markus Dederichs\/ 1.Vors., Christine Victor\/ Stellv. Vors. und Carola Berndt\/Kassiererin. Und auf diese kamen bald neue Aufgaben zu: Der Kapellenverein \u00fcbernahm das Nachbargrundst\u00fcck der Kapelle im Erbbaurecht und richtete dort einen Mehrgenerationenplatz ein, verpflichtete sich im Gegenzug zur Pflege der Gr\u00fcnanlagen im Ort.<br \/>\nMit berechtigtem Stolz k\u00f6nnen die Kerperscheider auf ihre nun 112j\u00e4hrige Kapelle blicken. Sie ist nicht nur Mittel- und Treffpunkt f\u00fcr die Bewohner, sondern ein Glanzst\u00fcck unter den Gottesh\u00e4usern im Schleidener Stadtgebiet. ngg_shortcode_0_placeholder<\/p>\n<h6 style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-size: 8pt;\">Ein Beitrag von Norbert Toporowsky. Quellen: H.P. Schiffer, Kirchen und Kapellen im Stadtgebiet Schleiden, Kall 2002; Kapellenbuch und weitere Dokumente des Kapellenvereins Kerperscheid, Mitteilungen von Karl und Markus Dederichs<br \/>\n<\/span><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kleinod und Dorfmittelpunkt&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[83],"tags":[],"class_list":["post-8847","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aus-der-bilderkiste"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8847","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8847"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8847\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8891,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8847\/revisions\/8891"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8847"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8847"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8847"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}