{"id":8931,"date":"2025-04-16T09:35:06","date_gmt":"2025-04-16T09:35:06","guid":{"rendered":"https:\/\/gf-sle.de\/?p=8931"},"modified":"2025-07-08T17:47:38","modified_gmt":"2025-07-08T17:47:38","slug":"aus-der-bilderkiste-lohe-schaelen-in-der-eifel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gf-sle.de\/?p=8931","title":{"rendered":"Aus der Bilderkiste &#8211; Lohe sch\u00e4len in der Eifel"},"content":{"rendered":"<p>Weite Teile der Eifeler Bergh\u00e4nge waren in fr\u00fcherer Zeit mit Eichen-Niederwald bewachsen. <!--more-->Eine landwirtschaftliche Nutzung war in dem meist unwegsamen Gel\u00e4nde, auch wegen seiner kargen und ertragsarmen Bodenverh\u00e4ltnisse, nicht m\u00f6glich. Stattdessen lieferten junge Eichenbest\u00e4nde, die sich in diesem felsigen, unfruchtbaren Gel\u00e4nde ausgebreitet hatten, wertvolle Naturprodukte \u2013 f\u00fcr die \u00e4rmliche Landbev\u00f6lkerung ein Nebenerwerb und eine Aufbesserung ihrer d\u00fcrftigen Einkommens- und Lebensverh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<div id=\"attachment_8936\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Lohe-Abb-1-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8936\" class=\"size-medium wp-image-8936\" src=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Lohe-Abb-1-300x191.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"191\" srcset=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Lohe-Abb-1-300x191.jpg 300w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Lohe-Abb-1-1024x652.jpg 1024w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Lohe-Abb-1-768x489.jpg 768w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Lohe-Abb-1-1536x978.jpg 1536w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Lohe-Abb-1-2048x1304.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8936\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 8pt;\">(1) Maria und Barthel R\u00f6hl beim Lohesch\u00e4len im Kermeter.<\/span><\/p><\/div>\n<p>Insbesondere im 18. und 19. Jahrhundert war die Rinde junger Eichen ein bedeutender Rohstoff f\u00fcr die Lohgerberei und zur Produktion von Leder. Sobald im Mai der Safttrieb einsetzte bzw. \u201ewenn die Lohe geht\u201c, wie es im Volksmund hie\u00df, begann die Arbeit der Lohe-Sch\u00e4ler. Bis Mitte Juni musste diese Arbeit abgeschlossen sein, da dann der Saft in den St\u00e4mmen zu trocknen begann und die Rinde sich nicht mehr so leicht vom Stamm l\u00f6sen lie\u00df. Anschlie\u00dfend wurde mit einem sogenannten Lohe-L\u00f6ffel, einem 25 bis 30 cm langen, an der Spitze l\u00f6ffelf\u00f6rmig verdickten Messer, die Rinde der noch stehenden Eichen aufgeschlitzt \u2013 und zwar so hoch, wie die Arme des Sch\u00e4lers reichten. Dann l\u00f6ste man die Rinde mit dem L\u00f6ffelkopf rundum vom Stamm und schnitt sie in Mannsh\u00f6he von der h\u00f6heren Rinde ab (s. Abb. 1). Anschlie\u00dfend wurden die B\u00e4umchen gef\u00e4llt, und auch der Rest der Rinde, der vorher vom Boden nicht erreichbar war, vom Stamm gel\u00f6st (s. Abb. 2 und 3). Die gesch\u00e4lte Eichenrinde wurde geb\u00fcndelt und im Wald zum Trocknen aufgestellt (s. Abb. 5), bevor sie sp\u00e4ter zur Gewinnung von Gerbstoffen an die Gerbereien f\u00fcr die Lederherstellung ausgeliefert wurde.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Eigenbedarf hatten die gesch\u00e4lten Eichenstangen noch eine ganz andere Verwendung: Wegen ihrer hohen Heizqualit\u00e4t waren sie ein begehrtes Brennholz f\u00fcr den K\u00fcchenherd und den Ofen in der \u201eguten Stube\u201c.<\/p>\n<p>Der Aufwuchs eines Eichen-Niederwaldes, auch Stockausschlag genannt, dauerte je nach Standort und Bodenqualit\u00e4t 20 bis 30 Jahre bis zum n\u00e4chsten Sch\u00e4len und F\u00e4llen.<br \/>\nBis Ende des 19. Jahrhunderts war die Lohgerbung hierzulande weitverbreitet, nahm aber dann infolge einschneidender Neuerungen und technischer Ver\u00e4nderungen bei den Gerbereien kontinuierlich ab. Die aus \u00dcbersee importierten Gerbmittel waren billiger und hatten infolge einer verk\u00fcrzten Gerbzeit eine schnellere Lederproduktion zur Folge. Als sp\u00e4ter auch noch die Verwendung k\u00fcnstlicher Gerbstoffe hinzukam, war dies erneut ein herber R\u00fcckschlag \u2013 aber noch nicht das endg\u00fcltige Aus der Branche. Ein zuverl\u00e4ssiger Abnehmer war die Deutsche Wehrmacht, die wegen der bew\u00e4hrten Lederqualit\u00e4t weiterhin das Schuhwerk f\u00fcr die Truppe nach dem fr\u00fcheren Verfahren bezog.<br \/>\nDie wohl letzten Lohe-Sch\u00e4ler in hiesigen W\u00e4ldern waren in den 1960er-Jahren anzutreffen. Vereinzelt erinnern noch heute alte Wurzelst\u00f6cke auf den Fl\u00e4chen des ehemaligen Eichen-Niederwaldes an diese l\u00e4ngst vergangene und kaum mehr bekannte Form der Waldnutzung.ngg_shortcode_0_placeholder<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><em>Ein Beitrag von Alfred K\u00e4\u00dfbach<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weite Teile der Eifeler Bergh\u00e4nge waren in fr\u00fcherer Zeit mit Eichen-Niederwald bewachsen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[83],"tags":[],"class_list":["post-8931","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aus-der-bilderkiste"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8931","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8931"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8931\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8945,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8931\/revisions\/8945"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8931"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8931"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8931"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}