{"id":9081,"date":"2025-09-24T09:29:44","date_gmt":"2025-09-24T09:29:44","guid":{"rendered":"https:\/\/gf-sle.de\/?p=9081"},"modified":"2025-09-24T14:47:21","modified_gmt":"2025-09-24T14:47:21","slug":"aus-der-bilkderkiste-gangfort-der-historische-industrievorort-schleidens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gf-sle.de\/?p=9081","title":{"rendered":"Aus der Bilderkiste: Gangfort \u2013 historischer Industrievorort Schleidens"},"content":{"rendered":"<p>Schloss, Schlossm\u00fchle und die Stadt Schleiden beschr\u00e4nkten sich bis ins 19. Jahrhundert auf die&nbsp; linke Seite der Olef. <!--more-->Am gegen\u00fcberliegenden Ufer flussabw\u00e4rts lag lediglich Gangfort, der stets zu Schleiden geh\u00f6rende Vorort. Dennoch wurde eine steinerne Br\u00fccke dorthin erst 1784 unter dem Arenberger Herzog Ludwig Engelbert errichtet. Bis dahin blieb \u2013 neben einer wohl nur zeitweise vorhandenen h\u00f6lzernen Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccke ungef\u00e4hr auf der H\u00f6he des heutigen AOK-Geb\u00e4udes \u2013 lediglich der Gang durch eine Furt, was den Ortsnamen erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p><div id=\"attachment_9082\" style=\"width: 290px\" class=\"wp-caption alignright\"><a style=\"font-weight: bold; background-color: #f1f1f1; font-size: 12px; text-align: center;\" href=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Abb-Gangfort-3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9082\" class=\"wp-image-9082\" src=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Abb-Gangfort-3.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"167\" srcset=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Abb-Gangfort-3.jpg 506w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Abb-Gangfort-3-300x178.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9082\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 10pt;\">[1] Gangfort im Jahre 1938&nbsp;<\/span><\/p><\/div><div id=\"attachment_9084\" style=\"width: 290px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Abb-Gangfort-5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9084\" class=\"wp-image-9084\" src=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Abb-Gangfort-5-300x256.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"239\" srcset=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Abb-Gangfort-5-300x256.jpg 300w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Abb-Gangfort-5-1024x873.jpg 1024w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Abb-Gangfort-5-768x655.jpg 768w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Abb-Gangfort-5-1536x1310.jpg 1536w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Abb-Gangfort-5.jpg 1815w\" sizes=\"auto, (max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9084\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 10pt;\">[2] Sprengung des Kamins<\/span><\/p><\/div><div id=\"attachment_9085\" style=\"width: 290px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Abb-Gangfort-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9085\" class=\"wp-image-9085\" src=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Abb-Gangfort-1-300x123.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"115\" srcset=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Abb-Gangfort-1-300x123.jpg 300w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Abb-Gangfort-1-1024x421.jpg 1024w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Abb-Gangfort-1-768x316.jpg 768w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Abb-Gangfort-1.jpg 1302w\" sizes=\"auto, (max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9085\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 10pt;\">[3] Gem\u00e4lde von Albert Larres \u201eSchleiden um 1725&#8243;<\/span><\/p><\/div><div id=\"attachment_9086\" style=\"width: 290px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Abb-Gangfort-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9086\" class=\"wp-image-9086\" src=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Abb-Gangfort-2-300x217.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"203\" srcset=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Abb-Gangfort-2-300x217.jpg 300w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Abb-Gangfort-2-1024x742.jpg 1024w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Abb-Gangfort-2-768x556.jpg 768w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Abb-Gangfort-2-1536x1113.jpg 1536w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Abb-Gangfort-2.jpg 1619w\" sizes=\"auto, (max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9086\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 10pt;\">[4] Aufsatz einer Standuhr v. J. Christian Beck<\/span><\/p><\/div>Schon die ersten Erw\u00e4hnungen des Namens Gangfort beziehen sich auf die dort ans\u00e4ssige Industrie. Hammerwerk und Eisenh\u00fctte Gangfort werden erstmals 1438 und 1439 erw\u00e4hnt. Deren Existenz l\u00e4sst sich w\u00e4hrend des gesamten 15. und 16. Jahrhundert nachweisen. Um die regelm\u00e4\u00dfige Versorgung mit dem f\u00fcr die Industrie notwendigem Wasser zu gew\u00e4hrleisten, war ein eigener Graben angelegt worden, der am Wehr vor dem heutigen Johannes-Sturmius-Gymnasium vom Flusslauf der Olef abzweigte. Wie alle H\u00fctten der Umgebung wurde auch das Werk Gangfort von mehreren Teilhabern gemeinsam gef\u00fchrt. So haben die 9 Teilhaber der Gangforter H\u00fctte im Sommer des Jahres 1593 insgesamt 841 Zentner Eisen produziert. Wirtschaftskrisen und der 30j\u00e4hrige Krieg brachten dann die Produktion ab etwa 1610 zum Erliegen, doch 1661 wird das Werk in Gangfort reaktiviert. Mit H\u00f6hen und Tiefen \u00fcberlebte es bis ins 19. Jahrhundert. Noch 1836 produzierten dort mit Hilfe eines einzigen Hochofens 10 Arbeiter 3346 Zentner Stabeisen. Doch nur wenige Jahre sp\u00e4ter musste das Werk \u2013 wie bald alle H\u00fctten der Nordeifel &#8211; geschlossen werden.<\/p>\n<p><strong>Ein Uhrmacher von Gangfort bietet Schoeller die Stirn<br \/>\n<\/strong>Es ist somit nicht verwunderlich, dass in den Bev\u00f6lkerunglisten des 18. und 19. Jahrhunderts in Gangfort Berufe mit Bezug zur dortigen Indsutrie dominierten (H\u00fcttenmeister, Schmied, H\u00fcttenarbeiter usw.). Dabei haben die meisten von ihnen zus\u00e4tzlich eine kleine Landwirtschaft betrieben. Um so \u00fcberraschender taucht zwischen alle diesen Berufen gegen Ende des 18. Jahrhunderts ein Horloger\/Uhrmacher auf. Sein Name war Johann Christian Beck, und er muss sein Handwerk sehr gut beherrscht haben. Noch im 20. Jahrhundert findet man in Antiqit\u00e4tenzeitschriften \u201eBeck-Uhr vom Gangforterwerk\u201c als Qualit\u00e4tsmerkmal angepriesen. Seine Spezialit\u00e4t waren Standuhren, manche bis 2 m hoch. Einige seiner Exemplare kann man noch heute in Eifeler Haushalten finden. Christian Beck war verheiratet mit Gertrud Beck und geh\u00f6rte zu den einflussreichen Protestanten der Nordeifel. Selbstbewusstsein, Ansehen und sicher auch Finanzmittel erlaubten ihm ab 1770 ein lang andauerndes Gerichtsverfahren gegen keinen Geringeren als Ludolf Schoeller, Mitglied der bekannten und reichen Reidtmeisterfamilien im Schleidener Tal. Es ging um Becks Anteile an der Eisenh\u00fctte. Er berief sich auf Vertr\u00e4ge aus dem Jahr 1724, hatte damit offensichtlich beim Bergamt Sistig, das \u00fcbrigens in Schleiden (Holgenbach) tagte, Erfolg. Doch Ludolf Schoeller wandte sich an das Appellationsgericht in Luxemburg. Akten \u00fcber den Ausgang des Verfahrens konnten noch nicht gefunden werden, aber dem Ruf des Uhrmachers hat die Angelegenheit nicht geschadet.<\/p>\n<p><div id=\"attachment_9083\" style=\"width: 196px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Abb-Gangfort-4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9083\" class=\"size-medium wp-image-9083\" src=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Abb-Gangfort-4-186x300.jpg\" alt=\"\" width=\"186\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Abb-Gangfort-4-186x300.jpg 186w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Abb-Gangfort-4.jpg 518w\" sizes=\"auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9083\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 10pt;\">[5] Anzeige 1951<\/span><\/p><\/div><strong>S\u00e4gewerk Reinshagen und Dartenne<\/strong><br \/>\nIn der 2. H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts nahm das S\u00e4gewerk der Familie Reinshagen die industrielle Tradition in Gangfort wieder auf. Die Arbeiterschaft konnte sicher ihre fachliche Qualifikation aus der Eisenindustrie einbringen. Zun\u00e4chst stand Albert Reinshagen senior (geb. 1828 in Lennep) an der Spitze der Firma, sp\u00e4ter sein gleichnamiger Sohn (geb. 1851) \u2013 beider Frauen entstammten \u00fcbrigens wiederum aus bekannten Reidtmeisterfamilien: Johanna Pauline Pirath (geb. 1828) sowie Julie Poensgen (geb. 1854). Schlie\u00dflich \u00fcbernahm Hermann Reinshagen (geb. 1882) das Werk. Auf ihn ging das eindrucksvolle Werkhaus zur\u00fcck, das Joseph Janssen 1927 zu den sch\u00f6nsten Neubauten Schleidens rechnete. Hermann hatte Architektur bei Professor Paul Schultze-Naumburg studiert, der sp\u00e4ter einer der f\u00fchrenden K\u00f6pfe der NS-Kulturideologie wurde. Das erw\u00e4hnte Werkhaus entsprach so nicht zuf\u00e4llig den Idealen der sog. Heimatarchitektur. Im \u00dcbrigen konnten sich die Schleidener in einer ungenutzten Halle des Werks schon 1908 dem Schwimmsport hingeben. Sie hatten dazu eine \u201eGesellschaft zur Schaffung von Badem\u00f6glichkeiten\u201c gegr\u00fcndet.<br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\">Anzeige 1951<\/span>In den 1930er Jahren ging das Werk in den Besitz der Gebr\u00fcder Dartenne \u00fcber. Zu dieser Zeit erlebten die holzverarbeitenden Betriebe eine Hochkonjunktur, welche auch im 2. Weltkrieg ihre Fortsetzung fand. Dem kriegsbedingten Personalmangel wurde auch bei Dartenne durch den Einsatz von Zwangsarbeitern gegengesteuert. 15 bis 20 vor allem franz\u00f6sische Kriegsgefangene mussten \u201eauf Gangfort\u201c arbeiten. Der Wiederaufbau in der Nachkriegszeit brachte erneut einen immensen Holzbedarf, damit eine kurzfristige Bl\u00fcte des Werks. Doch in den 1960er Jahren musste es stillgelegt werden. Nicht wenige sahen darin auch die Voraussetzungen zur Erschlie\u00dfung des H\u00e4hnchens gegeben, weil damit sie starken Rauchemissionen des Kamins entfielen. Vor allem die Westwinde h\u00e4tten eine zu starke Belastung f\u00fcr das neue Wohngebiet, incl. Krankenhaus mit sich gebracht.<br \/>\nDanach war das Werksgel\u00e4nde f\u00fcr \u00fcber 50 Jahre Heimat des st\u00e4dtischen Bauhofs und dann kam im Juli 2021 die Flut&#8230;. Von der industriellen Vergangenheit Gangforts bleiben nur Fotos und Akten.&nbsp;<em>Ein Beitrag von Norbert Toporowsky<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><strong>Bildnachweis<\/strong><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">[1] Gangfort im Jahre 1938. Sammlung Heinen\/Wollgartenzu&nbsp;<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">[2] Mit der Sprengung des Kamins f\u00e4llt das letzte Wahrzeichen einer langen Industrietradition, aus: W. Rosen, F.A. Heinen, Die Reihe Archivbilder. Schleiden, Erfurt 2005, S. 119<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">[3] Ausschnitt aus einem Gem\u00e4lde von Albert Larres \u201eSchleiden um 1725 \u2013 nach einer Vorlage von R. Roidkin\u201c. Original des Bildes im Besitz Klemens Friederichs<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">[4] Aufsatz auf einer Standuhr des Johan(n) Christian Beck. Foto Jacques P\u00fctzer<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">[5] Anzeige 1951. Heimat-Kalender 1951 des Eifelgrenzkreises Schleiden, S. 174<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schloss, Schlossm\u00fchle und die Stadt Schleiden beschr\u00e4nkten sich bis ins 19. 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