{"id":9284,"date":"2026-03-28T09:49:54","date_gmt":"2026-03-28T09:49:54","guid":{"rendered":"https:\/\/gf-sle.de\/?p=9284"},"modified":"2026-04-02T06:21:49","modified_gmt":"2026-04-02T06:21:49","slug":"aus-wynthusen-wurde-wintzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gf-sle.de\/?p=9284","title":{"rendered":"Aus Wynthusen wurde Wintzen"},"content":{"rendered":"<p>Einige Mosaiksteine aus der Geschichte des wohl kleinsten Ortes im Stadtgebiet Schleiden. <!--more--><\/p>\n<p>Wintzen wurde erstmals 1451 als Lehnshof der Schleidener Grafen erw\u00e4hnt, als die Bewohner 6 Malter Hafer, 6 H\u00fchner und 1 Schwein j\u00e4hrlich abzuliefern hatten. W\u00e4hrend der wesentlich \u00e4ltere Hof Bergersfeld, der etwa 1 km weiter nordwestlich lag, l\u00e4ngst untergegangen ist, hat sich in Wintzen die Besiedlung erhalten. Der \u00e4lteste bekannte Name des Ortes ist ein \u201ePeter Heynen van Wynthusen\u201c, dessen Sohn 1502\/03 im Lagerbuch der Abtei Steinfeld genannt wird mit der Verpflichtung, j\u00e4hrlich ein Huhn und einen Dienst-Tag Arbeitsleistung zu erbringen. Windhusen, also ein windreicher Ort am Waldrand, d\u00fcrfte ein recht zutreffender Name f\u00fcr die alles andere als optimale Lage sein. Wer also beim Ortsnamen Wintzen die Herkunft aus dem weinanbauenden Winzer ableiten will, der liegt gr\u00fcndlich falsch.<\/p>\n<div id=\"attachment_9295\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/04_Wynthusen-Abb.-3a-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9295\" class=\"wp-image-9295 size-medium\" src=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/04_Wynthusen-Abb.-3a-300x192.jpg\" alt=\"Blick vom H\u00f6henweg aus Richtung Broich hinab nach Wintzen in den 1950er Jahren \" width=\"300\" height=\"192\" srcset=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/04_Wynthusen-Abb.-3a-300x192.jpg 300w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/04_Wynthusen-Abb.-3a-1024x655.jpg 1024w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/04_Wynthusen-Abb.-3a-768x491.jpg 768w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/04_Wynthusen-Abb.-3a-1536x982.jpg 1536w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/04_Wynthusen-Abb.-3a-2048x1309.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9295\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Vom H\u00f6henweg aus Richtung Broich hinab nach Wintzen in den 1950er Jahren <\/span><\/p><\/div>\n<p>\u00dcber viele Jahrhunderte entwickelte sich der Ort kaum. In einer Bev\u00f6lkerungsliste aus dem Jahr 1782 sind nur 2 H\u00e4user mit insgesamt 9 Einwohnern erfasst. Die Besitzer Hilliger Theisen und Peter Clahsen wohnen in zwei heckenums\u00e4umten H\u00e4usern auf der Hochfl\u00e4che, die ortsnah noch recht dicht bewaldet ist, w\u00e4hrend in gr\u00f6\u00dferer Ortsferne nur kahle H\u00f6hen zu sehen sind \u2013 Folge des Raubbaus an Brennholz und Holzverkohlung, die schon der Schleidener Herr August von der Marck um 1730 beklagte. Das Weiderecht, welches den Wintzener im Kindshardt zugestanden war, d\u00fcrfte dagegen bei nur zwei Geh\u00f6ften weniger zur Waldvernichtung beigetragen haben. Und es ist recht unwahrscheinlich, dass man (damals) in Wintzen reich werden konnte. Im Jahre 1796 klagt ein Johann Stoffels aus Urft gegen die Witwe eines Wintzener Bauern wegen einer Restschuld von einer geliehenen Kuh.<\/p>\n<p>In diesem Rahmen kann die Geschichte des Ortes nicht detailliert geschildert werden, auch wenn sie durchaus Interessantes zu bieten hat, wie z.B. eine Konzession f\u00fcr ein Kupferbergwerk Wintzen aus dem Jahre 1855, welches dann doch nicht realisiert wurde.<\/p>\n<p>Bemerkenswert aus heutiger Sicht ist die Tatsache, dass die Bewohner des Ortes bis weit ins 20. Jahrhundert weder auf Schleiden noch auf Olef orientiert waren, sondern auf Golbach. Bis 1972 geh\u00f6rte Wintzen wie der erw\u00e4hnte Selbacherhof und sogar Teile Olefs zur Gemeinde Golbach, damit zum Amt Kall \u2013 Folge einer uralten Grenzziehung zwischen der Herrschaft Schleiden und dem Herzogtum J\u00fclich. Daher liefert die Geschichte Golbachs, die Helmut Jonas detailliert erstellt hat, auch zahlreiche Informationen \u00fcber Wintzen. Fast durchg\u00e4ngig stellte Wintzen ein Mitglied des Golbacher Gemeinderates, die Kinder aus Wintzen gingen in Golbach zur Schule- nat\u00fcrlich zu Fu\u00df bei jeder Witterung durch den Wald -, und in der Golbacher Schulchronik wurden f\u00fcnf Gefallene des 1. Weltkriegs aus Wintzen aufgelistet. Im Kriegswinter 1941\/42 muss der Schulweg besonders beschwerlich gewesen sein, weil regelm\u00e4\u00dfig n\u00e4chtliche Winde, die tags\u00fcber m\u00fchsam vom Schnee freigemachten Wege wieder zugeweht hatten. 1858 hatte der Schleidener B\u00fcrgermeister beantragt, dass die Kinder aus Wintzen nach Schleiden eingeschult werden sollten, wo sie zum Religionsunterricht \u2013 da der Ort zur Pfarre Schleiden geh\u00f6rte \u2013 sowieso hinkommen mussten; und das am gleichen Tag, an dem sie nach Golbach zum \u00fcbrigen Unterricht gingen \u2013 sie mussten im wahrsten Sinne des Wortes gut zu Fu\u00df sein. Der Golbacher Gemeinderat lehnte dieses Ansinnen entschieden ab, da es den Schleidenern nur darum ginge, das Schulgeld f\u00fcr die Wintzener Kinder zu kassieren.<\/p>\n<p>Im Jahr 1925 beschloss der Golbacher Rat die Errichtung einer \u00f6ffentlichen Fernsprechstelle in Wintzen. Obwohl die Wintzener sich weigerten, die Kosten f\u00fcr diese Stelle zu tragen, wurde sie aufrecht erhalten:\u201c<em>Der Rat war der Meinung, da\u00df diese einzige Verbindung des weit abgelegenen Ortes Wintzen mit der Umwelt nicht aufgehoben werden d\u00fcrfe.\u201c <\/em>Noch 1957 geh\u00f6rte Wintzen zu den wenigen Orten der Eifel, deren Einwohner noch Wasser aus Brunnen sch\u00f6pfen und pumpen mussten. Der recht kostspielige Bau eines Hochbeh\u00e4lters bei Stra\u00dfb\u00fcsch, dessen Wasser \u00fcber einige Kilometer nach Wintzen gepumpt wurde, brachte schlie\u00dflich eine Wasserversogung f\u00fcr den Ort. Dar\u00fcber schrieb Lehrer Hahn in der Golbacher Schulchronik: \u201e<em>In Wintzen liefen in diesen Tagen sehr oft die Wasserh\u00e4hne, und manche Hausfrau und Mutter mag in stummer Ergriffenheit vor dem zischenden Wasserstrahl gestanden haben, in ihren Augen der Schimmer wahren Gl\u00fccks und gesegneten Reichtums.\u201c <\/em>Da man offensichtlich recht reichlich Gebrauch von dieser fortschrittlichen Entwicklung machte, wurde 1960 der Einbau von Wasseruhren beschlossen.<\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt hatte der Ort 49 Einwohner. Heute (31.12.2025) sind es 68. Und auch wenn inzwischen seit \u00fcber 30 Jahren die \u00f6rtliche Gastwirtschaft von Josef und Maria Henz geschlossen ist, darf man ein sehr lebendiges Dorfleben feststellen. Daf\u00fcr sorgt der Dorfgemeinschaftsverein, der sich auch f\u00fcr die Erhaltung der sch\u00f6nen Wegekapelle sehr engagiert.<em>Autor: Norbert Toporowsky&nbsp;<\/em><\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einige Mosaiksteine aus der Geschichte des wohl kleinsten Ortes im Stadtgebiet Schleiden.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[83],"tags":[],"class_list":["post-9284","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aus-der-bilderkiste"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9284","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9284"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9284\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9293,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9284\/revisions\/9293"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9284"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9284"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9284"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}