{"id":9578,"date":"2026-09-17T00:15:30","date_gmt":"2026-09-17T00:15:30","guid":{"rendered":"https:\/\/gf-sle.de\/?p=9578"},"modified":"2026-09-24T09:15:02","modified_gmt":"2026-09-24T09:15:02","slug":"aus-der-bilderkiste-fallstockshoevel-kreuzberg-und-stritz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gf-sle.de\/?p=9578","title":{"rendered":"Aus der Bilderkiste: Fallstocksh\u00f6vel, Kreuzberg und Stritz"},"content":{"rendered":"<p>Der letzte trennende H\u00fcgel, bevor Olef und Urft in Gem\u00fcnd ineinanderflie\u00dfen, ist der&nbsp;Fallstocksh\u00f6vel. Diesen Namen liest man zumindest in den alten Karten. <!--more-->\u201eH\u00f6vel\u201c ist der Begriff, den der Eifeler f\u00fcr eine kleine Erhebung w\u00e4hlt, wie er auch beim Month\u00f6vel, dem Maulwurfsh\u00fcgel, Verwendung findet. Als Fallstock ist in Gem\u00fcnd die<a href=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/02_Kreuzberg-1m-Text.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-9589\" src=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/02_Kreuzberg-1m-Text-300x181.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"181\" srcset=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/02_Kreuzberg-1m-Text-300x181.jpg 300w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/02_Kreuzberg-1m-Text-1024x617.jpg 1024w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/02_Kreuzberg-1m-Text-768x463.jpg 768w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/02_Kreuzberg-1m-Text-1536x926.jpg 1536w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/02_Kreuzberg-1m-Text.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> untere Schleidener Stra\u00dfe bis zum&nbsp;Bahn\u00fcbergang bekannt. Laut Heimatforscher Wilhelm G\u00fcnther geht der Name darauf zur\u00fcck, dass hier in unsicheren Zeiten des sp\u00e4ten Mittelalters nachts ein Fallgitter herabgelassen wurde, um den Zutritt von unliebsamen \u201eG\u00e4sten\u201c zu verhindern. Vom Fallstock aus f\u00fchrt der Steinweg \u2013 wiederum laut Wilhelm G\u00fcnther auf einer alten R\u00f6merstra\u00dfe angelegt \u2013 auf den besagten H\u00fcgel. Von dort aus steigt der Weg dann an auf den Forst (dr Vorsch) am Fu\u00df des noch h\u00f6heren Wackerbergs. Der Name&nbsp;Forst scheint daraus entstanden, dass dort auch zu einer Zeit, als die \u00fcbrigen Waldbest\u00e4nde des Raumes aus verschiedenen Gr\u00fcnden abgeholzt waren, immer noch eine bewaldete Fl\u00e4che verbleiben war.<\/p>\n<div id=\"attachment_9587\" style=\"width: 173px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/03_Kreuzberg-2-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9587\" class=\"wp-image-9587 size-medium\" src=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/03_Kreuzberg-2-163x300.jpg\" alt=\"\" width=\"163\" height=\"300\"><\/a><p id=\"caption-attachment-9587\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 8pt;\">Das Kreuz auf dem Kreuzberg.<\/span><\/p><\/div>\n<p>Da nun seit etwa 140 Jahren ein Kreuz an der markanten Stelle der Aussicht auf den Ort steht, wird der H\u00fcgel heute als Kreuzberg bezeichnet. Wie und wann kam&nbsp; nun das Kreuz auf den H\u00f6vel?&nbsp; Karten aus dem fr\u00fchen 19. Jahrhundert weisen es nicht aus. In einer Karte der Besitzparzellen aus dem Jahr 1872 ist dann am heutigen Standort des Kreuzes eine kleine, nur wenige Quadratmeter gro\u00dfe, rautenf\u00f6rmige Parzelle eingezeichnet. Diese Parzelle hatte der damalige Kaplan Peter Josef Kr\u00fccken aus eigenen Mitteln erworben. Er war von 1862 bis 1887 in Gem\u00fcnd t\u00e4tig, hier sehr beliebt und nebenbei auch ein geschickter Uhrmacher, er sprach mit den Menschen platt und sein Beichtstuhl wurde von nah und fern aufgesucht. Nachdem im Jahre 1862 die neue (heutige) Pfarrkirche errichtet worden war, wurde die bisherige kleine Kirche \u00fcberfl\u00fcssig und 1866 abgerissen. Kaplan Kr\u00fccken sorgte nun daf\u00fcr, dass das Holzkreuz aus der bisherigen Kirche nicht verlorenging, sondern auf eben dem Grundst\u00fcck errichtet wurde, das er zu diesem Zweck erworben hatte.<br \/>\nNat\u00fcrlich war dem gewiss schon \u00e4lteren h\u00f6lzernen Kreuz auf dem Fallstocksh\u00f6vel, dem Eifelwetter und Eifelwinter ausgesetzt, keine lange Lebensdauer mehr beschieden. So sammelte Kaplan Kr\u00fccken in den Folgejahren Gelder, um ein Steinkreuz dort errichten zu lassen &#8211; zur Zeiten des&nbsp;Bismarckschen Kulturkampfes bestimmt kein leichtes Unterfangen. Doch auch die evangelische Bev\u00f6lkerung Gem\u00fcnds trug mit ihren Spenden dazu bei, dass noch bevor der Kaplan aus Gem\u00fcnd abberufen und nach Kinzweiler (heute Stadt Eschweiler) versetzt wurde, hinreichend Geld zusammengekommen war, um das Steinkreuz zu errichten, ein knapp vier Meter hohes&nbsp;Sandsteinkreuz auf einer Bodenplatte aus Blaustein. Die Signatur W. Reusteck d\u00fcrfte wohl auf den damaligen Steinmetz hinweisen. Es tr\u00e4gt die Inschrift \u201eSelig die Toten \u2013 die im Herrn sterben\u201c, eine Sentenz aus der Offenbarung des hl. Johannes, der Apokalypse. Nur schwach ist ein \u201eJoh\u201c neben dem Zitat zu erkennen. Alle anderen Einritzungen sind j\u00fcngeren Datums und teilweise vandalischen Ursprungs. 1888 kaufte dann die katholische Pfarrgemeinde Grundst\u00fcck und Kreuz.<\/p>\n<div id=\"attachment_9584\" style=\"width: 190px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/04_Kreuzberg-3-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9584\" class=\"wp-image-9584\" src=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/04_Kreuzberg-3-223x300.jpg\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"243\" srcset=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/04_Kreuzberg-3-223x300.jpg 223w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/04_Kreuzberg-3-760x1024.jpg 760w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/04_Kreuzberg-3-768x1035.jpg 768w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/04_Kreuzberg-3-1140x1536.jpg 1140w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/04_Kreuzberg-3-1520x2048.jpg 1520w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/04_Kreuzberg-3-scaled.jpg 1899w\" sizes=\"auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9584\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 8pt;\">Der Sockel des Kreuzes.<\/span><\/p><\/div>\n<p>In Anbetracht des hohen Zerst\u00f6rungsgrades von Gem\u00fcnd im Zweiten Weltkrieg mag es an ein Wunder grenzen, dass das Kreuz weitgehend unversehrt geblieben ist (ebenso wie der Nepomuk an der Flussm\u00fcndung). In der Nachkriegszeit waren Kreuzberg und Forst der Arbeitsbereich eines Gem\u00fcnder Originals: Stritz, wie er von den Einheimischen genannt wurde. Mit Unterst\u00fctzung mehrerer Zeitzeugen (vor allem des fr\u00fcheren Nachbarn Herbert Poth sowie Gregor Ronig) kann man sich der Person ann\u00e4hern:<br \/>\nNat\u00fcrlich hie\u00df Stritz nicht Stritz, sondern eigentlich Franz Cremer. Vom ehemaligen Zehnthof aus bewirtschaftete er die oberhalb des Hofes gelegenen Fl\u00e4chen auf dem Kreuzberg. Die Eltern von Franz wohnten urspr\u00fcnglich&nbsp; in Ettelscheid, wo ihr Haus abbrannte. Sie erwarben sp\u00e4ter den 1669 erbauten Zehnthof. (Die Buchstaben auf der Au\u00dfenfassade MH MS weisen auf den Erbauer Matthias Hochg\u00fcrtel und seine Ehefrau Magdalena Schoeller hin; um 1900 war der Hof im Besitz einer Familie K\u00f6nigs). Franz hatte drei Geschwister: Paul, den bekannten Maler, Gertrud (Trautsche), die unverheiratet war,&nbsp; und Hermann, der nach Nierfeld heiratete und als Chauffeur in Vogelsang t\u00e4tig war. Franz \u00fcbernahm den elterlichen Hof, wo er mit der Witwe seines Bruders lebte.<\/p>\n<div id=\"attachment_9585\" style=\"width: 250px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/05_Kreuzberg-4-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9585\" class=\"wp-image-9585\" src=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/05_Kreuzberg-4-210x300.jpg\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"342\" srcset=\"https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/05_Kreuzberg-4-210x300.jpg 210w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/05_Kreuzberg-4-718x1024.jpg 718w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/05_Kreuzberg-4-768x1096.jpg 768w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/05_Kreuzberg-4-1077x1536.jpg 1077w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/05_Kreuzberg-4-1436x2048.jpg 1436w, https:\/\/gf-sle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/05_Kreuzberg-4-scaled.jpg 1795w\" sizes=\"auto, (max-width: 240px) 100vw, 240px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9585\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 8pt;\">Radierung des Zehnthofs von Willi Heinen, Aachen&nbsp;<\/span><\/p><\/div>\n<p>Er war von eher kleiner, schmaler Gestalt, die meist mit schnellem Schritt und nicht selten im Selbstgespr\u00e4ch (Eekall) unterwegs war. Leider konnte trotz intensiver Suche kein Foto von ihm aufgetrieben werden. Sollte sich in der Leserschaft jemand finden, der ein solches zur Verf\u00fcgung stellen kann, w\u00e4ren wir sehr dankbar.<\/p>\n<p>Und wie kam er zu seinem Spitznamen Stritz? Herbert Poth berichtet: Im Innenhof des Zehnthofs stand eine Futterkiste mit Hafer f\u00fcr das Vieh. Franz f\u00fctterte das Vieh und bediente sich in der Futterkiste. Dabei fand er einen Beutel mit 60 Mark. Nun tanzte er wie Rumpelstilzchen um die Kiste und rieb sich voller Freude die H\u00e4nde. Dabei rief er voller Inbrunst : \u201eIch han dat Jeld jestritz! Ich han dat Jeld jestritz!\u201c So hatte er sich seinen Namen selbst gegeben. <span style=\"font-size: 12pt;\"><em>Autor: Norbert Toporowsky<\/em><\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: right;\">&nbsp;<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der letzte trennende H\u00fcgel, bevor Olef und Urft in Gem\u00fcnd ineinanderflie\u00dfen, ist der&nbsp;Fallstocksh\u00f6vel. Diesen Namen liest man zumindest in den alten Karten.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[83],"tags":[],"class_list":["post-9578","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aus-der-bilderkiste"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9578","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9578"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9578\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9633,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9578\/revisions\/9633"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9578"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9578"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gf-sle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9578"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}