Bedeutende Dreiborner, Prof. Ulrich Dardenne

Der Zauberer vom Gierberg 1

Der in Dreiborn-Gierberg geborene Wissenschaftler und Augenchirurg Professor Ulrich Dardenne revolutionierte die Mikrochirurgie des Auges. Als erster Europäer operierte er den Grauen Star ambulant.

Im Jahre 1825 kaufte der aus der Gegend von Malmedy stammende Leyengrubenmeister Nikolaus Dardenne und seine Frau Maria Josepha Bodoin fernab jeder Siedlung in unberührter Natur eine ,,ardrosie’re Pre’s de Dreyborn“, das hieß: Einen Schieferbruch auf der zu Dreiborn gehörigen Leykaul.

Als Nebenerwerb wurde dort mindestens seit 1858 Landwirtschaft betrieben. Ende des 19. Jahrhunderts war durch Rodung, auch auf dem in der Nähe gelegenen Gierberg, ein stattlicher Bauemhof entstanden. Im Jahre 1924 wurde dort der heutige Wissenschaftler Ulrich Dardenne geboren.

Der ,,Gieremann“ wie man in Dreiborn den Bauern vom Gierberg nannte, schrieb seinen Namen ,,Dartenne“ mit ,,t“. Er tat dieses, so erzählte man, um sich in Notariatsurkunden besser von seinen Vettern von dem Hof auf der Leykaul zu unterscheiden. Doch Ulrich Dardenne schrieb seinen Namen wieder in der alten Form. Die Sippe nannte sich ursprünglich ,,de Ardenne“ – von den Ardennen. Der aus dieser Sippe stammende Physiker Manfred von Ardenne hat diesen Namen beibehalten. Die Eltern von Ulrich Dardenne verzogen nach Kleinhau. Doch Ulrich verbrachte seine Schulferien bei seinen Ver- wandten und mit den Kindem seines Alters auf der Dreiborner Höhe. Hier wurden die alten, noch vor- handenen Schieferabbau- stollen inspiziert, die Gegend unsicher gemacht und heimlich die ersten Zigaretten geraucht. Schon mit 16 Jahren machte der hochbegabte Junge sein Abitur. Er wurde Soldat und kam 1943 – 19-jährig – verwundet aus dem Kriege zurück. Er studierte in Bonn Medizin und nahm eine Professur für die Mikrochemie des Auges an.

Trotz vieler Angebote aus dem In- und Ausland blieb er Bonn treu, war aber in der Welt zu Hause. Er bildete Augenärzte aus und behandelte jährlich in seinen Ferien kostenlos Menschen in der Dritten Welt. Im brasilianischen Urwald erlitt er dabei einen Herzinfarkt.

Von den Menschen dort wurde er als Zauberer betrachtet. Als Zeichen seiner Dankbarkeit wollte ein Scheich ihm 12 Kamele schenken. Fürsten, Kardinäle, Industrielle, Politiker und Künstler aus aller Welt waren seine Patienten.

1984 wurde ihm in Los Angeles der wissenschaftliche ,,0scar“ verliehen. 1985 wurde er für seine wissen- schaftlichen Leistungen mit dem Bundesverdienstkreuz I. Klasse ausgezeichnet.

  • 1989 gründete er die Ulrich Dardenne Stiftung.
  • 1994 erhielt er den Orden des Landes Nordrhein-Westfalen.

Wenn der Professor Dreiborner Patienten in Bonn am Grauen Star operierte, war es ihm ein Bedürfnis ,,Drommerter-Platt“ zu sprechen. Es wurde sich über Gott und die Welt und über seine Kindheit unter- halten, welche er in freier Natur unter einem weiten Horizont zwischen Dreiborn, dem Gierberg und der Leykaul verbrachte. Im Alter von 77 Jahren ist Professor Ulrich Dardenne in Bonn verstorben.

Nicht nur im brasilianischen Urwald wurde er als Zauberer verehrt, auch der bekannte russische Maler Boris Birger lobte ihn als ,,Wunderbaren Menschen“, der die Fähigkeiten eines ,,Zauberers“ besitze. Die alten Dreiborner sagten: ,,Er hat es im Leben weit gebracht, aber er hat nicht vergessen, wo er herkam.“

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1 Aus „Die Berger“ von Alfred Wolter, 2012, S. 47/48

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Bericht zum Tode von Prof. Ulrich Dardenne im Bonner Generalanzeiger v. 23.10.2001:

ProfDardenneFür seine Patienten war er ein Zauberer

Von Johannes Seiler

Der renommierte Bonner Augenarzt Michael Ulrich Dardenne starb im Alter von 77 Jahren

Bonn. Der weltbekannte Bonner Augenarzt Professor Michael Ulrich Dardenne ist tot. Wie der General-Anzeiger am Dienstag erfuhr, starb der 77-Jährige am Sonntag. Der langjährige Leiter der Abteilung Mikrochirurgie der Bonner Uni-Augenklinik lebte fast 60 Jahre in Bonn. „Ich schätze diese Stadt“, hatte der Wissenschaftler, der mehrere Angebote aus dem In- und Ausland ausgeschlagen hatte, einmal erklärt.

Als „Aushängeschild der Bundeshauptstadt“ bezeichnete ihn während seiner Amtszeit der frühere Bonner Oberbürgermeister Hans Daniels. Der Arzt revolutionierte die Mikrochirurgie des Auges. Seine Spezial- gebiete waren Laserverfahren, die Fehlsichtigkeit korrigieren, sowie die Implantation von Kunstlinsen zur Behandlung des Grauen Stars. Zu seinen zahlreichen prominenten Patienten zählten die Witwe des Aga Khan, der österreichische Ex-Bundeskanzler Bruno Kreisky sowie der russische Maler Boris Birger.

Letzterer lobte ihn als „wunderbaren Menschen“, der die Fähigkeiten eines „Zauberers“ besitze. Der Augenspezialist war Vorreiter auf dem Gebiet der ambulanten Operationen. Statt Tage blieben seine Patienten nur Stunden in der Klinik. Damit wollte er dem Gesundheitswesen Kosten ersparen. Auch die Schulung seiner Kollegen lag ihm sehr am Herzen. Für zwei seiner Lehrfilme bekam er den „Oscar“ der internationalen Gesellschaft für Staroperationen.

Für seine wissenschaftlichen Leistungen erhielt Dardenne außerdem 1985 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse und 1994 den Landesorden Nordrhein-Westfalen. Über viele Jahre hinweg verbrachte er einen Teil seines Urlaubs in Entwicklungsländern, um dort kostenlos Patienten zu operieren und Ärzte zu schulen. Als Beitrag zur „Aktion Weihnachtslicht“ des General-Anzeigers versorgte er darüber hinaus ohne Vergütung 30 Patienten, die sich die Behandlung sonst nicht hätten leisten können.

Der rührige Professor legte auch nach seinem 65. Geburtstag nicht die Hände in den Schoß. 1989 gründete er die Ulrich-Dardenne-Stiftung und die Klinik Dardenne in Bad Godesberg. Rund 60 000 Augenoperationen führten die Spezialisten dort binnen zehn Jahren durch. „Mit dem Augenspezialisten Professor Ulrich Dardenne verliert die Stadt Bonn eine international anerkannte Kapazität, deren Fachklinik weit über die Grenzen unseres Landes hinaus zu den ersten Adressen zählt. Mein Mitgefühl gilt seinen Angehörigen“, sagte Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann, als sie vom Ableben des Bonner Wissenschaftlers erfuhr.

Bonner Generalanzeiger,  Artikel vom 23.10.2001

 

 

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