12.06.2018: „Zwangsarbeit im Kreis Schleiden 1939-1945″

Franz Albert Heinen, erfolgreicher Fachbuchautor und Experte referiert zu dem Thema. In der Vortragsreihe des Geschichtsforums Schleiden in Zusammenarbeit mit der Ev. Trinitatis Kirchengemeinde Schleidener Tal und dem Netzwerk an Urft und Olef findet der Vortrag

am Dienstag, dem 12. Juni 2018, ab 19 Uhr
im Ev. Gemeindezentrum Am Wehr
Dreiborner Str. 10-12,  in
53937 Schleiden-Gemünd statt.

Eine Gruppe polnischer Zwangsarbeiter am Marienplatz
in Gemünd. Bild: Fotostudio Mertens, Gemünd

Tausende von zivilen und kriegsgefangenen Zwangsarbeitern wurden in den Jahren des Zweiten Weltkriegs in das Schleidener Kreisgebiet gebracht, wo sie in nahezu allen Branchen beschäftigt wurden: Von der Land- und Forstwirtschaft über die Handwerksbetriebe bis hin zur Industrie und dem Bergbau. Während Franzosen und meist auch Polen in der Regel halbwegs menschlich behandelt wurden, kamen insbesondere die Bürger der Sowjetunion nicht selten bei den großen Betrieben in Lager mit extrem schwierigen Lebensbedingungen. Schwerster körperlicher Arbeit stand nicht selten Hungerkost und erbärmliche Lagerunterbringung gegenüber. Misshandlungen und Erschießungen, bei Zivilarbeitern auch die Einweisung in Konzentrationslager zur sogenannten „Sonderbehandlung“ mit oft tödlichen Konsequenzen, kamen in erschreckendem Ausmaß vor. Von den im Herbst 1941 in das Kreisgebiet gebrachten sowjetischen Kriegsgefangenen kamen in den Arbeitskommandos des Schleidener Landes mehr als 130 Gefangene um. Insgesamt starben bis 1945 in der Region weit über 330 ZwangsarbeiterInnen.

Die Überlebenden wurden bald nach Kriegsende umgehend und teilweise gegen ihren Willen zurück in ihre Heimatländer abgeschoben. Zurück blieben die häufig in Massengräbern verscharrten Opfer, bei denen es sich weit mehrheitlich um verstorbene Polen und Sowjetbürger handelte. Nach jahrelanger liebloser Grabpflege wurden die toten Osteuropäer 1950 aus dem gesamten Kreisgebiet zu einem neuen zentralen Gräberfeld nach Hollerath umgebettet, und zehn Jahre später nochmals nach Rurberg. Damit verschwanden aus dem Kreisgebiet Schleiden die letzten sichtbaren Zeugnisse der Zwangsarbeit.  Das Fehlen eines Ortes, an dem man dieser Opfergruppe nationalsozialistischer Gewaltherrschaft gedenken konnte, trug womöglich dazu bei, dass 73 Jahre nach dem Kriegsende die regionale Zwangsarbeit aus der kollektiven Erinnerung getilgt ist.

Eine Veranstaltung des Geschichtsforums Schleiden e.V. in Zusammenarbeit
mit der Ev. Trinitatis Kirchengemeinde Schleidener Tal und dem Netzwerk an Urft und Olef

 

 

 

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