Ein spannender Vortrag von Pfarrerin Petra Reitz faszinierte die Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute.
Militärseelsorge zwischen Krieg, Frieden und persönlicher
Begleitung – Pfarrerin Petra Reitz gab in Gemünd Einblicke in dieses besondere Arbeitsfeld der Kirche

Petra Reitz
Wie wichtig ist Seelsorge für Soldatinnen und Soldaten – insbesondere dann, wenn sie in Krisen- und Kriegsgebiete entsandt werden? Dieser Frage widmete sich Pfarrerin Petra Reitz am Dienstag, dem 8. September bei einem eindrucksvollen Vortrag in den Räumen der EvA in Gemünd. Mehr als 80 Besucherinnen und Besucher waren gekommen und folgten ihren Ausführungen mit großer Aufmerksamkeit.
Nach dem Ende des sogenannten „Eisernen Vorhangs“ 1989/90 schien ein Krieg in Europa für viele Menschen kaum noch vorstellbar. Die Konflikte auf dem Balkan in den 1990er-Jahren wurden vielfach als weit entfernt wahrgenommen.
Spätestens mit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 hat sich diese Sichtweise grundlegend verändert. Die Frage nach der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands ist wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Auch die Entwicklungen im Nahen Osten führen dazu, dass sicherheitspolitische Themen nahezu täglich die Nachrichten bestimmen.
Damit verbunden ist die Diskussion über die Bundeswehr und eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht, die 2011 lediglich ausgesetzt wurde. Doch neben Fragen der militärischen Einsatzbereitschaft stellt sich auch eine andere, häufig weniger beachtete Frage: Wer begleitet die Menschen, die als Soldatinnen und Soldaten mit den Folgen von Krieg und Gewalt konfrontiert werden?
Hier setzt die Militärseelsorge der beiden großen christlichen Kirchen an. Evangelische und katholische Seelsorgerinnen und Seelsorger begleiten Angehörige der Bundeswehr im Inland ebenso wie bei Auslandseinsätzen. Sie stehen den Soldatinnen und Soldaten in persönlichen Krisen, bei schwierigen Entscheidungen und angesichts belastender Erfahrungen zur Seite – unabhängig davon, welche Rolle oder welchen Dienstgrad diese innehaben.
Aus erster Hand konnte Pfarrerin Petra Reitz von dieser besonderen Aufgabe berichten. Als ehemalige Leitende Militärdekanin für Westdeutschland war sie für die Militärseelsorge in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland verantwortlich. Ihre Ausführungen waren dabei nicht nur von fundiertem Fachwissen geprägt, sondern vor allem von persönlichen Erfahrungen.
Bei Auslandseinsätzen u.a. im Kosovo, in Mali und in Litauen erlebte sie unmittelbar, unter welchen besonderen Bedingungen Militärseelsorge stattfindet. Sie berichtete von Begegnungen, persönlichen Schicksalen und den Herausforderungen, denen Soldatinnen und Soldaten im Einsatz ausgesetzt sind. Dabei wurde deutlich, dass die Arbeit der Militärseelsorge weit über Gottesdienste und religiöse Angebote hinausgeht. Zuhören, Vertrauen schaffen und Menschen auch in schwierigen Situationen beistehen, gehören zu ihren zentralen Aufgaben.
Gerade die Verbindung von sachlichen Informationen und persönlichen Erlebnissen machte den Vortrag besonders eindringlich. Die Zuhörerinnen und Zuhörer erhielten einen Einblick in eine Welt, die vielen im Alltag weitgehend verborgen bleibt.
Der lang anhaltende Applaus am Ende des Abends zeigte, wie sehr die Ausführungen von Pfarrerin Petra Reitz die Besucherinnen und Besucher bewegt hatten. Ein informativer und zugleich persönlich geprägter Abend ging zu Ende – spannend von der ersten bis zur letzten Minute und mit vielen Gedanken, die sicherlich noch über den Abend hinaus nachwirkten.