Aus der Bilderkiste – Die drei Kreuze von Broich

Die Redewendung „Drei Kreuze machen“ bedeutet im landläufigen Sprachgebrauch: Einen Schutz vor bevorstehender Gefahr erbitten oder einen Dank nach überstandener Gefahr aussprechen. Und wenn im kleinen Eifeldorf Broich drei Kreuze stehen, so kann man bei jedem davon den Bezug zu dieser landläufigen Redewendung herstellen. 

1 Das Kradenbachkreuz in einer Karte aus dem 18. Jahrhundert

 Das Kradenbachkreuz/Schoofkreuz
Schon in Karten aus dem 18. Jahrhundert ist dieses Kreuz vor dem steilen Weg von der Göllendell am Kradenbach entlang hinab nach Schleiden eingetragen. Dieses alte Kreuz scheint deutlich höher gewesen zu sein als das heutige. Und in der Tat konnten die Fuhrleute drei Kreuze machen, wenn sie mit ihrer schweren Fracht (oft Erze für die Werke in Gangfort) den Weg ins Tal nahmen. Vor allem bei Nässe und Schnee muss dies ein gefährliches Unterfangen gewesen sein.. Die heutige Straße entstand erst in den 1830er Jahren. In der engen Kurve oberhalb des heutigen Rathauses hatten sie dann das Schlimmste überstanden.

2 Das Kradenbachkreuz heute

Der Name Kradenbachkreuz steht an den Wegweisern; laut den Recherchen von Miro Honhoff über die Wegekreuze in der Stadt Schleiden wird das Kreuz auch das Schoofkreuz genannt. Unter Schoof versteht man die Strohbündel, auf denen man bis ins 20. Jahrhundert nach dem Tode den Leichnam des Verstorbenen legte, bevor er nach drei Tagen eingesargt wurde. Von Broich aus wurde der Sarg mit dem Schoof per Pferde- oder Ochsenkarren nach Schleiden gefahren. Am Schoofkreuz wurde das Stroh verbrannt. Solange das Stroh brannte, betete man für den Verstorbenen. Danach ging es den steilen Weg hinab nach Schleiden auf den alten Friedhof auf dem Ruppenberg.

Das Sandsteinkreuz an der Hauptstraße

3 Das Kreuz an der Hauptstraße aus dem Jahre 1903

Da der Autofahrer heutzutage, wenn er durch Broich fährt, sein Augenmerk auf den Verkehr und die Vermeidung von teuren Fotos legen sollte, übersieht er leicht das direkt an der Straße gelegene Sandsteinkreuz. Umgeben von einer kleinen Hecke steht es ein wenig abseits auf der (aus Richtung Schleiden) linken Seite. Die Inschrift „Gelobt sei Jesus Christus“ und die Jahreszahl „1903“ können als Indiz für seinen Entstehungszweck herangezogen werden. Beides deutet auf die Funktion als Wallfahrtskreuz. Das Jahr 1903 wird in vielen Veröffentlichungen als Meilenstein der Wallfahrtsgeschichte gesehen. Die Pilger der oft mehrtägigen Wallfahrten (natürlich zu Fuß) machten an diesen Kreuzen einen Halt, den sie zum Gebet, aber sicher auch als willkommene Rast nutzten. Im gleichen Jahr begann man im benachbarten Golbach mit dem Bau der Marien- Kapelle. Der Standort des Kreuzes an einem Verkehrsweg unterstützt diese Vermutung. Dagegen versagen Vermutungen bei der Frage, welche Pilgerroute zum damaligen Zeitpunkt den Ort Broich berührt hat.

Das Kreuz am Heinenpesch

4 Zeichnung des Kreuzes am Heinenpesch von Otto Kersting

Das älteste und bekannteste der drei Broicher Kreuze steht am Heinenpesch. Es gehört zu den geschützten Baudenkmälern der Stadt Schleiden. Auf einem Schaft steht das eigentliche Kreuz (daher: Schaftkreuz).Es enthält das Christusmonogramm IHS, das sind die griechischen Buchstaben Iota, Eta, Sigma, später eingedeutscht zu Jesus, Heiland, Seligmacher. Der Querbalken des mittleren Buchstabens, der wie ein H aussieht, trägt ein Kreuz. Zu Füßen des Monogramms sind die 3 Wundnägel eingemeißelt, mit denen Christus ans Kreuz geschlagen wurde. Die so genannten Dreinagelkreuze sind typisch für die Kreuze im 17. und 18. Jahrhundert. In verschiedenen Dokumenten wird das Jahr 1701 als Entstehungsjahr des Kreuzes genannt. Es steht also genau 325 Jahre an der gleichen Stelle.

5 Das Schaftkreuz am Heinenpesch

Was mag die Dorfbewohner zu dieser Zeit zur Errichtung eines Kreuzes bewogen haben? Mit Sicherheit haben Not und Elend, vielleicht auch Verzweiflung eine Rolle gespielt, zu einer Zeit, in der französische und spanische Truppen des Sonnenkönigs die Herrschaft Schleiden heimsuchten. Broich gehörte wie die Nachbarorte Golbach, Wintzen, Frohnrath oder Kerperscheid zu dieser Herrschaft. Besatzungstruppen waren 1697 kurz abgerückt, aber 1698 wieder da. Sie zerstörten die Burg Schleiden (den Vorläufer des Schlosses) bis auf die Fundamente, sie drangsalierten die Bevölkerung durch Einquartierungen, Brandschatzen, Plünderungen und Beschlagnahmen des Viehs. Auf den Schutz durch den Schleidener Herren konnten die armen Dorfbewohner nicht setzen. Dieser war nicht nur finanziell am Ende, er hatte das Land Überruhr an den Dreiborner Herren verkaufen müssen, sondern überhaupt nicht vor Ort. Die gräfliche Familie zog einen Aufenthalt in Frankreich vor.

6 Das eigentliche Kreuz auf dem Schaft

Da darf es nicht verwundern, dass sich die geschundene Dorfbevölkerung dem besonderen Schutz Gottes anvertraute.

Eine Kirche oder Kapelle gab es nicht in Broich. Das alte Kreuz am Heinenpesch darf so als Dokument des Gottvertrauens in einer sehr schweren Zeit gedeutet werden.

Ein Beitrag von Norbert Toporowsky

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